Dienstag, 13. April 2010

Color me gone!

Manchmal muß man gehen, um sich nicht zu entfernen. (Christa Schyboll)

... manchmal fahren, um Abstand zu bekommen ... Genau das dachten wir uns und so nutzten wir den Umstand, dass wir gleichzeitig zwei Tage am Stueck frei haben aus, packten letzten Mittwoch kurzentschlossen unsere Siebensachen und machten uns auf den Weg. Unsere liebstes Ziel dafuer ist und bleibt das Meer, die dem Festland vorgelagerte Insel Matagorda Peninlusa. Wir waren schon gespannt, was uns diesmal erwarten wuerde ...

Obwohl ich am Abend vorher Spaetdienst hatte und somit auch zu einer entsprechend spaeten Uhrzeit erst im Bett lag, stand ich beizeiten auf. Ich habe das lange schlafen nicht so sehr im Blut – vielleicht bin ich auch einfach zu unruhig. Jedenfalls war ich gegen 6.30 aus den Federn und began mein Tagwerk. Was heute wegen der bevorstehenden Fahrt natuerlich etwas anders aussah als gewoehnlich. Nachdem ich mir ein Taesschen Kaffee gegoennt und die Hunde versorgt hatte, fing ich an zu packen. Fuer zwei Tage braucht man ja wirklich nicht viel, aber da dies der erste Ausflug dieser Art in 2010 war, musste die „Camping-Ausruestung“ erstmal gefunden und entstaubt werden.

Gegen 8.30 machte ich den ersten Versuch Helmut dazu zu bewegen wach zu werden. Aus Erfahrung weiss ich ja, dass dauert immer eine Weile, bis die Bitte aufzustehen von seinem auesseren Gehoergang bis zu den Fuessen weitergeleitet wird, damit diese sich ueber die Bettkante schieben. Da machte auch dieser Tag mit Aussicht auf eine schoene Autofahrt keine Ausnahme. Ich gebe ja zu, er geht auch immer sehr viel spaeter als ich ins Bett – Helmut ist halt eine Nachteule. Doch nach ein paar weiteren freundlichen Aufforderungen, schaffte er es gegen 10 aus der Kiste und nach einem kleinen Fruehstueck war er auch fit und vorfreudig genug, dass das Packen des Autos fast nur noch Formsache war. Gegen 12 Uhr ging es dann endlich los.

Wir sind schon auf allen moeglichen und unmoeglichen Wegen ans Meer gefahren, heute aber beschlossen wir, dies direkt und ohne Umwege zu tun. Also auf die US 59 gen Houston.
In Humble zu Walmart (den kennen wir gut, da das immer die letzte PP-Anlaufstelle vor dem Flughafen ist), um noch ein paar Kleinigkeiten und Eis fuer den Cooler zu kaufen. Ausserdem hatte Helmut noch so ein Idee – von der ich aber spaeter noch berichte ...

Dann auf durch Houston. Natuerlich war hier wie immer ziemlich viel Verkehr, aber wir schafften es mit nur einem Stau. Dieser war durch einen Unfall verursacht worden. Was ich am Interessantesten fand, war, was passierte als es weiterging. Die Feuerwehr (oder wer auch immer) hatte alles aufgeraeumt und die Unfallwagen waren weggeschafft. Es blieben noch zwei Motoradpolizisten, die zunaechst einmal kurzfristig alle vier Spuren blockierte. Sie dirigierten die Autofahrer so, dass in jede Spur benutzt wurden und dann fuhren sie vorneweg los. Erst ganz langsam, dann immer schneller werdend. Sie verhinderten damit, dass – was ja nach so einem Stau haeufig geschieht - die Autos gleich kreuz und quer losrasen. Funktionierte wunderbar und irgendwie erinnerte mich das an eine Pacecarphase bei der Formel 1.
Faszinierend, aber meine Begeisterung wurde gleich darauf etwas gebremst, als mein Blick auf die Tankuhr fiel. Grellorange leuchtet auf dort eine Zapfsaeule. Ich glaube das heisst wir muessen tanken. Doch Helmut blieb ganz gelassen und meinte ‚Das reicht noch ewig’.

Also ich gebe es ja zu, ich bin kein so ein Auf-den-letzten-Druecker-Mensch, schon gar nicht wenn es ums tanken geht. Aber Helmut kann das ziemlich gut. Und waehrend mein T-shirt schon schweissnass ist, meine Haende sich verkrampfen und ich mich in Gednaken die Autobahn entlang stapfen sehe, faehrt er froehlich auch an den naechsten 3 Ausfahrten vorbei. Er meinte dann noch so lapidar, er haette ja ein Telefon. Ich: Ach ja und wenn wolltest Du anrufen? Na, sagt er, die Roadsite Assistence. Nun wundere ich mich doch: Die kommen auch, wenn Du kein Benzin mehr hast. Ja, das sei von denn gedeckt. – Nun, das ist gut zu wissen. Ich sinniere noch darueber nach, ob es sich der ADAC in Deutschland einfach nur bequem macht dies nicht im Schutzbrief zu haben oder ob der amerikanische Roadsite-Assistance eine bessere Serviceleitstung bietet (oder schlicht ihnen nichts anderes uebrig bleibt, als die Unzulaenglichkeiten der Autofahrer hier zu beruecksichtigen) ... da haelt Helmut endlich zum tanken an und uns bleibt diese Erfahrung – zumindest fuer dieses Mal – erspart.

Nachdem ich dann noch die Vorraete an Hustenbonbon aufgefuellt habe (jetzt drum Helmut es fast ganz geschafft hat die Erkaeltung los zu werden, habe ich sie wieder – oder bin ich ploetzlich pollenallergisch?) waren die naechsten 60 Meilen oder so fast ein Klacks.

Als wir endlich in Matagorda ankommen begruesst uns die oertliche Tankstelle mit einem unglaublichen (billigen) Benzinpreis von $2.60 und Helmut aergert sich ein wenig fuer $2.62 getankt zu haben. Der Laden verkauft ausserdem Koeder und sonstiges Zubehoer was der gemeine Angler noch braucht (z.B. Bier) und sieht echt urig aus.
Ein Stueck weiter sehen wir sie, die neue Bruecke. Bisher fuhr man ueber eine recht tiefliegende einspurigen Eisenbruecke. So eine, die aufklappt, wenn ein Boot durch will. Ich fand das immer recht abenteuerlich. Doch irgendwo im Stadtsaeckel war wohl noch ein Geld uebrig gewesen und so hatte man beschlossen eine – wie wir finden ziemlich unpassend grosse – Betonstrassenbruecke zu bauen. Wir haben in den letzten Jahren die baulichen Veraederungen dieser Gegend sozusagen live beorbachten koennen und es ist irgendwie immer spannend zu kommen und zu sehen, was neu ist. Und ich gebe es ja zu, auch wenn ich dieses Bauwerk nicht angemessen fuer diese Landschaft finde, die Aussicht von oben ist toll– leider gibt es aber keine Moeglichkeit zu parken und diese wirklich zu geniessen ...

Dann liegt es endlich vor uns, dass Meer. Zunaechst ueberlgen wir, ob wir unser Lager am Strand aufschlagen (es gibt an einer Stelle eine Zufahrtstrasse, so dass man direkt bis ans Wasser fahren kann). Ich gebe zu, die Idee ist reizvoll, aber ich war dann doch eher dagegen. Vielleicht bin ich schon zu haeufig irgendwo im Sand stecken geblieben oder mein Vertrauen in die Gelaendegaengigkeit des Vans ist einfach nicht so hoch ... Nun jedenfalls sind wir dann letztlich auf den bekannten und bewaehrten Parkplatz, der auch direkt am Strand liegt gefahren. Wir sahen es gleich: ein Zaun. Unser erste Verdacht: verlangen die jetzt Eintritt? Zum Glueck war das nicht der Fall, lediglich ein Teil des Platzes war eingezaeunt und das hatte nichts mit Gebuehren zu tun, sondern mit einer Baustelle. Schnell fanden wir heraus, dass die mit ziemlich schwerem Geraet dabei sind, die Flussmuendung hier, die wohl zu versanden droht, auszubaggern und zu befestigen.


Uns zog es erstmal an den wie immer fast menschenleeren Strand. Die besten Hunde – schon mit Sommerfrisur – tobten gleich los und es dauerte nicht lange, bis sie nasse Pfoten hatten. Ich tat es ihnen nach (die Fuesse baden), allerdings fand ich das Wasser doch noch recht frisch und zog mich wieder zurueck; und da es ziemlich frisch windig war, beliess ich es auch dabei barfuss durch den angewaermten Sand zu laufen.

Inzwischen war es auch langsam Abend geworden, die Baustelle stand still und der Parkplatz war fast gaenzlich verlassen. So suchten wir uns einen ruhigen Stellplatz fuer die Nacht; entschieden uns fuer das hinteren Ende direkt am Bauzaun – da wuerde sich naemlich keiner mehr neben uns zwaengen. Stuehle und Tischchen raus, den Hunden ein Wasser hinstellen und Ruhe kehrte ein.

Dies allerdings nur fuer einen kurzen Moment. Dann sprang Helmut schon wieder auf, jetzt wollte er naemlich noch unsere neueste Errungenschaft ausprobieren. Schon auf unserem letzten Roadtrip mit dem Van hatten wir ueberlegt, dass ein Vordach an eben jenem nicht schlecht waere. Helmut, als im Zeichen der Jungfrau Geborener, geht da nicht einfach los und kauft, sondern hatten ueber die Wintermonate ein paar Recherchen betrieben, was, wie und zu welchem Preis, moeglich ist. Der Schwabe in ihm strebt natuerlich ein guenstige Loesung an und der McGyver in ihm stimmt zu, dass man ja eh alles modifizieren muss ... So hatten wir also frueher am Tag ein ganz einfaches guenstiges Sonnendach erstanden, das wir nun aufbauen wollten und auch taten.

Bonny beaugt das Ganze misstrauisch ...

Also ich gebe zu, mir gefaellt es. Es ist faszinierend, wieviel es ausmacht. Man fuehlt sich immer noch ‚drinnen’, erweitert also sozusagen den besetzten Bereich und ausserdem ist das Gefuehl von „Schutz“ da, auch wenn – wie wir noch feststellen – dieses Ding keineswegs einen Schutz vor allen Elementen bietet.

Doch erst einmal geniessen wir den milden und ruhigen Abend. Einfach sitzen, aufs Meer schauen, reden, essen und das alles bei Kerzenschein. Als es endgueltig dunkel ist, beschliessen wir noch eine letzte Runde mit den Hunden zu gehen. Leider haben die – sozusagen im letzten Moment – eine Handvoll Kletten aufgesammelt, die wir dann erstmal wieder aus dem Fell kaemen mussten (wobei Helmut anmerkte, dass ich bei deren letzter Dusche wohl vergessen haette ihnen ‚Weichspueler’ ins Haar zu tun, denn das Fell sei ziemlich strohig – pff). Clyde war schon fertig und im Auto und bei Bonny fehlte noch die letzte Pfote, als wir es ploetzlich auf unser Vordach troepfeln hoerten. Es fing an zu regnen! Oh ... fast gleichzeitig entfuhr uns die Bemerkung, wie gut es doch sei, dass wir nun ein Dach haben unter dem wir trocken sitzen! Denkste. Dies aenderte sich naemlich in der naechste Minute, als auf einmal ziemlich starke Windboen aufkamen und an saemtlichen Schnueren zogen und zerrten und der am Van befestigte Teil am Lack zu kratzen anfing. Jetzt musste es ganz schnell gehen, die Stuehle und den Tisch in Auto raeumen und das Dach abbauen. Ich hielt es fest so gut es ging und Helmut loeste die Schnuere und Stangen. Einfach erstmal zusammen knuddeln und an der Fahrerseite reinwerfen. Natuerlich waren wir dann auch gleich nass geworden. Doch kaum dass wir alles im Dodge verstaut hatten, hoerte der Wind auf und kurze Zeit spaeter auch der Regen. Klasse!

Well, es war eh Zeit zu schlafen und so krochen wir in die Schlafsaecke und ratzten erstmal ne Runde. Die Nacht war ruhig und ich musste nur ein mal raus – was mit einem wunderschoenen Blick auf einen klaren Himmel belohnt wurde. Da es hier in der Naehe keine wirkliche Stadt oder aehnliches gibt, sieht man – wie es scheint - milliarden Sterne. Und wenn man auf’s Meer schaut, erkennt man in der Ferne Lichter von Schiffen und Bohrinseln.

Morgens gegen 7 war es dann vorbei mit der Ruhe, als naemlich die Baustelle zum Leben ‚erwachte’. Nun, es war gut so, denn so oeffnete ich rechtzeitig fuer einen wunderschoenen Sonnenaufgang die Augen und obwohl es ziemlich frisch war - ueber Nacht hatte sich die Luft merklich abgekuehlt – machte ich einen Strandspaziergang mit Hunden. Beim Anblick des Windes in den Duenen und den Farben des Himmels und des Meers in der Morgensonne, wurden Erinnerungen an Sylt wach.


Waehrend Helmut erstmal ausschlaeft (er ist gegen Aussengeraeusche ziemlich immun, wenn er mal im Land der Traeume ist), sitze ich in einem der bequemen Sitze des Vans und beobachte das Meer und die Baustelle. Also ich bin mir ziemlich sicher, die bei der Baustelle haben irgendein System, eine Ordnung. Ich jedoch erkenne sie nicht.
Mir scheint es eher, dass ein paar Jungs mit ein paar ziemlich grossen Spielzeugen (Bagger, Multkipper, Schaufellader) in einer riesigen Sandkiste spielen ... musste mich dann spaeter insofern korrigieren, eine Frau war auch dabei (sie fuhr einen der Multikipper oder wie die Dinger – Laster – heissen). Auch erkannten wir bei einem Spaziergang spaeter, dass die durchaus zu wissen schienen, was sie tun, denn aus einem anderen Blickwinkel betrachtet sah es nicht mehr ganz so ungeordnet aus ...


Den Rest des Vormittags verbrachten wir mit faulenzen, einfach nur sitzen und schauen (wegen des kuehlen Wetters war baden eher keine Option). Sehr erholsam. Doch wie das so ist, auch die schoenste Zeit geht vorbei und irgendwann hiess es dann zusammenpacken uns losfahren.

Auf dem Rueckweg machten wir noch einen Tankstop und goennten uns ein grosses Paket Eis, dass wir im Auto sitzend genuesslich ausloeffelten.

Durch Houston standen wir (natuerlich) mal wieder in einem Stau, aber zum Glueck nicht allzulange. So waren wir am fruehen Abend zuhause. Auto auspacken, duschen und zum Abendessen kochte Helmut eine seiner Spezialsuppen.
Alles in allem ein wunderschoener Ausflug, der obschon nur kurz, sich auf jeden Fall gelohnt hat. Sollte man meiner Meinung nach viel oefter tun!!

PS: alle Fotos vom Ausflug sind im neuen Kisimba on Tour 2010 Fotoalbum zu finden!

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