Stets findet Ueberraschung statt, wo man sie nicht erwartet hat. (Wilhelm Bush)
Dienstag, 15. Juni 2010, dies war die bisher ruhigste Nacht, die wir hatten. Keine Strasse in der Naehe oder andere Dinge, die irgendwelchen Laerm gemacht haetten. Als ich am Morgen um kurz nach 6 Uhr meine erste Runde zum Badehaus gehe, sehe ich in der Ferne die Great Smoky Mountains im Morgendlichen Dunst. Da kann man verstehen, woher die ihren Namen haben. Ich dachte mir, ich gehe schnell die Hunde ausleeren und mache dann ein Foto. Leider fiel dann innerhalb von 2 Minuten der Nebel ins Tal und als der sich lichtete, waren die Berge weg ... Okay, nicht weg, aber nicht mehr zu sehen. Schade.
Nun dann eben nicht, denke ich; und dann habe ich sie doch noch ein bisschen erwischt. So konnte ich mir beruhigt den Schleppi nehmen und bisschen schreibseln. Da wir es ja nun wirklich nicht eilig haben, es kuehl ist (ich hatte mir sogar meine Sweat-Jacke uebergezogen), keine stoerenden Geraeusche, nichts .. schlief Helmut bis in die Puppen. Nun nicht ganz, denn gegen 9.30 fing ich einfach an ein bisschen mehr rumzurumoren – ein dezentes Zeichen, nun koenne er langsam wach werden. Das tat er dann auch.
Ich beschloss erstmal nochmal das Badehaus aufzusuchen. Gestern abend war ich fuer ein Dusche schlichtweg zu faul und das wollte ich jetzt nachholen. Also wenn man jemand nach Cherokee, NC kommt, empfehle ich diesen Camping waermstens. Die Restrooms sind zwar nicht nagelneu und modern, aber sauber, sehr sauber. Man sieht eindeutig, das hier Frauen den Laden schmeissen. Wirklich. Details wie Badezimmermatten vor den Duschen / Waschbecken, ueberall kleine Abfalleimer, Handseife, ein paar Blumen usw. Mir zeigt dies, das es wirklich nur darauf ankommt, es in Ordnung zu halten. Und in sauberen Waschraeumen wie diesen, neigen sogar Maenner dazu, nach sich das Waschbecken auszuwischen (sagt Helmut).
Ein wundervoller Morgen und so stand zunaechst einmal ein gemuetliches Fruehstueck an. Und wieder kam die Ueberlegung vielleicht hier noch nen Tag verbummeln? Wieder mal die Karten konsultieren, rechnen wie lange wir wo hin brauchen usw. Entscheidend war dann letztlich, dass das Wetter umschlug, zumindest ein Stueck weit. Schon den ganzen Morgen hatten wir gesehen, wie sich ueber den Bergen die Wolken auftuermen. Nun hoerten wir auch das Grollen des Donners und ein Blick auf die Wettersseite im Internet zeigte uns, dass es Regen geben sollte. So packten wir unseren Krempel zusammen. Faszinierend finde ich ja, schaut man morgens ins Auto, sieht es voellig verruempelt aus, doch fange ich an zu raeumen, ist in 5 Minuten das Chaos beseitigt ...

Der Ort Cherokee, durch den wir gestern schon gefahren sind, ist inmitten eines Indianerreservats. Und man mag davon halten was man will, aber die Leute hier, schlagen daraus ihr Kapital. Souvenierlaeden mit Indianerpuppen, aufgebaute kleine Buehnen wo Indianer in ihrer traditionellen Kleidung Taenze auffuehren, es gibt ein Theater mit Show, ein Welcome Center, in dem man einen Cherokee Nation Passport erhaelt und natuerlich etliche Arts & Crafts Laeden die handgefertigte Toepfe, Figure etc. verkaufen. Erstaunlich finde ich die Schriftzeichen der Cherokee (erinnern ein bisschen an russisch, oder?). Nicht etwa dass wir nun jeden Touristenkram mitmachen, aber das interessierte uns doch und so drehten wir ne Runde durch die Stadt. Ein paar Souveniers und hauptsaechlich bisschen gucken. Interessant fand ich noch, dass die Indianer hier ueberall Schildkroeten abgebildet, geschnitz oder sonst irgendwie dargestellt haben.
Zum Abschluss noch der taegliche Abstecher zum Lebensmittelgeschaeft. Hier fing es dann auch prompt an zu regnen, was ein Stueck weit anhielt.

Dann hiess es mal wieder hit the road. Wir hatten uns ueberlegt, aussen um den Park herum zu fahren (Helmut hatte auf der Karte einen Staudamm entdeckt) und dann spaeter erst zu entscheiden, welche Route wir dann weiter nehmen wollten. Ich studierte die Karte. Okay, erst die 19 und dann die 74 East bis zur Abzweigung 28. Dann da weiter. Gesagt getan. Wir fuhren und fuhren, aber irgendwas stimmte da nicht. Was macht dieser Ort hier? Anhalten, nochmal die Karte anschauen, nein, es stimmt 74 East. Aber warum ist der Fluss hier direkt an der Strasse? Das ist auf der Karte gar nicht eingezeichnet. Nun, die stimmen ja auch nicht immer wie wir aus Erfahrung wissen. Wo ist unsere Abzweigung? Noch mal anhalten, nee stimmt, 74 East. Moment! East? Osten? Warum fahren wir eigentlich nach Osten? Wir muessen nach Westen! Ahrgh! Nun waren wir ueber die Haelfte des Urlaubs immer gen Osten gefahren und irgendwie war das wohl noch in den Koepfen ... Wir mussten erstmal ziemlich lachen. Dies verging uns dann allerdings, als wir versuchten umzudrehen, da wir ja in die andere Richtung wollten. Beim ersten Mal von der Schnellstrasse fahren gabs keine Auffahrt auf der anderen Seite. Beim zweiten Mal war die Abfahrt ne Sackgasse. Wir fragten uns ernsthaft: was will uns das sagen? Doch dann beim dritten Mal klappte es und nun fuhren wir westwaerts ...
Eine wirklich schoene Strasse an der Suedseite der Great Smoky Mountains entlang bis zum Fontana Dam. Der war von dem her interessant, weil er – mehr oder weniger – gerade gebaut war. 1942 – 45 gebaut, ein Monstrum aus Beton und Stahl. Heute wuerde man sowas nicht mehr bauen ...


Von hier gings weiter – nach Westen – die 129 nehmend. In dem Shop am Damm hatte ich schon etliche Souvenirs gesehen, die ziemlich auf Biker getrimmt waren unter anderem eben mit der Strassennummer. Und wir sahen auch immer mehr von Ihnen. An der Kreuzung wo die Strasse anfaengt, ein grosses Motel / Resort – fuer Biker und Mopeds ueberall. Dann auch ein Schild „The Tail of the Dragon“, so wird dieser Strassenabschnitt genannt und scheint eine beliebte Strecke fuer Motoraeder zu sein. Warum das wurde uns bald klar: Kurven. Viele Kurven. Sehr viele Kurven. Die Strasse besteht nur aus Kurven! Rechts, links, 180 Grad, rechts, links ... 14 Meilen lang! Insgesamt sind es 318 Kurven auf 11 Meilen ... Was zuerst ja noch irgendwie ganz witzig war, wurde ziemlich schnell zur Herausforderung. Okay, Helmut hatte seinen Spass beim fahren, aber Clyde und ich wechselten irgendwann die Gesichtsfarbe in Richtung gruen! Aber unsere tapferen Loewchen sind ja nicht so schnell klein zu kriegen. Und dann sahen wir ein Schild, das uns etwas stutzig machte: Road closed in 1 Mile.
Hae? Strasse gesperrt? Was heisst das nun wieder.

Nun, nach 1 Meilen stellten wir es fest: es heisst die Strasse ist gesperrt! Oje muessen wir jetzt das ganze Stueck Kurven zurueck fahren? Helmut ging mal den Typ fragen, der da rumstand und der erklaerte ihm es hatte einen Felsrutsch gegeben und heute wuerde das wohl nix mehr (verstaendlich, es war inzwischen auch schon fuenf Uhr nachmittags). Es hilft nichts, umdrehen. Well, das hatten wir heute ja schon ein paar mal geuebt und so drehten wir halt um und fuhren die ganzen – gefuehlsmaessig ungefaer 500 – Kurven zurueck. Also wir haben hier die Kurven fuer saemtliche geraden Strassen der Reise wett gemacht! Selbst Helmut, der erst noch solchen Spass daran hatte hier zu fahren, war an einem Punkt wo es eben diesen nicht mehr unbedingt machte.
Am anderen Ende angekommen schauten wir uns nochmal um und tatsaechlich, da hing ein einziges mickeriges Schild, das ueber die Strassensperrung informierte. Klasse!
Es ist was es ist. Mal wieder die erdachte Route ueber den Haufen werfen und nen neuen Plan machen. Eines war sicher, wir hatten genug von den Great Smoky Mountain und Bergen und so. Weg, nur weg. In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit ueberlegten wir, dass es sich kaum noch lohnt auf einen Camping zu gehen. Und alle in dieser Umgebung sind so oder so eher einfach (ohne Duschen usw.), so koennten wir genauso gut auf einen WM-Parkplatz. Ich sucht den naechsten, der in Cleveland Tennessee ist. Also gut, erste auf der 129 nach Sueden, dann die 74 nach Westen.
Helmut fiel noch ein, dass er ja noch einen Stein fuer seinen Steingarten am Pond braeuchte (er bringt von den Fahrten immer welche mit). So suchten wir noch ein passende Stelle zum Halten. Ich wollte noch ein Foto machen, von dem „Efeu“ das hier ueberall waechst. Auf dem Boden, den Baeumen, den Strommasten. Es entstehen seltsame Gebilde, aber es ist auch sehr erschreckend. wie in einem Horrorfilm, wo alles ueberwuchert wird ...
Wir fuhren in die Dunkelheit hinein, so sahen wir von dem malerischen Tal durch das wir kamen nur noch sehr wenig. Vielleicht auch ganz gut so, denn auch ich war irgendwie mit Bergen und Taelern und so bedient.
Als Cleveland dann schon fast in Sichtweite war, musste Helmut mal wieder sein „ich finde ein billigere Tankstelle“-Spiel spielen. Mich begeistert das ja nicht sehr und ganz ehrlich um die Uhrzeit (22 Uhr) brauche ich keine Nervenkitzel mehr ob wir es zu Tankstelle schaffen oder nicht – ganz davon abgesehen, dass wir fuer heute genug Abenteuer gehabt hatten. Well wir fanden rechtzeitig eine Tanke. Helmut ging noch rein und fragte die Dame nach dem naechstgelegenen Walmart. Hier ein Anmerkung, ich finde es macht Sinn, wenn er fragt, wenn er faehrt. Weil wenn die mir das erklaert und ich dann ihm usw., sind Fehler vorprogrammiert. Und ausserdem frage ich nicht gerne ;-)
Noch eine kleine Rundfahrt durch die naechtliche Stadt und gegen halb elf stellten wir das Auto hin und den Motor ab. Noch schnell die Hunde Gassie fuehren und dann – ohne Abendessen – ins Bett. What a Day!