Sonntag, 20. Juni 2010

Epilog

Laß den Anfang mit dem Ende sich in eins zusammenzieh'n. (Johann Wolfgang von Goethe)

10 Tage – 10 Staaten; okay, es stimmt nicht ganz, wir waren 11 Tage unterwegs. Aber am elften sind wir ja zurueck nach Texas so stimmt’s dann irgendwie doch ... ach ja und insgesamt kamen wir auf knappe 3.500 Meilen.

Wieder zuhause am Computer hiess es erstmal all die vielen Mails nachlesen, die ich unterwegs zugelassen hatte, mal schauen was in der Welt so passiert ist (im Urlaub vermeide ich sogar Schlagzeilen), die letzten Blogbeitraege online stellen.

Und natuerlich aufraeumen, Waesche waschen, Rasen maehen (Helmut hat den ganzen Tag ums Haus rumgewerkelt), Gartenteich saeubern, einkaufen etc. Es lenkt ein wenig ab, denn bei mir ist es immer so ein zweigeteiltes Gefuehl aus dem Urlaub zurueck zu kommen. Ja, es tut gut im eigenen Bett zu schlafen und die eigenen Dusche und die gewohnte Umgebung zu haben. Aber ein bisschen Wehmut bleibt auch immer ...

Ich denke oft, fuer mich ist am Reisen das wegfahren wichtig – fuer Helmut das nach Hause kommen.

Zum Glueck kann ich ja immer nochmal nachlesen, wenn mich das Fernweh packt. Oder einfach paar Fotos anschauen. Und wenn jemand von Euch Lust hat ein paar mehr Bilder zu sehen, HIER habe ich angefangen sie einzustellen und werde sie im Laufe der naechsten Zeit sortieren, vervollstaendigen und kommentieren.

Viel Spass beim Stoebern. Und wie heisst es so schoen? Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, denn eine Idee fuer den Roadtrip 2011 gibt es schon ...

An dieser Stelle, Danke an meinen lieben Mann Helmut, der mich erstens mitgenommen hat und zweitens den groessten Teil der Strecke - ziemlich gut - gefahren ist. Ausserdem liest er meinen Blog Korrektur, damit es nicht zu peinlich wird.

Und auch Dank an die, die mitgelesen haben!

Freitag, 18. Juni 2010

Homeward bound.

Jede Reise hat zwei Höhepunkte: den einen, wenn man lebenshungrig und voller Erwartung hinausfährt, den anderen wenn man heimkehrt und sich freut auf daheim. (Heinrich Spörl)

Donnerstag, 17. Juni 2010 / Die Nacht war heiss und im Auto war es stickig. Bin irgendwann mal aufgewacht und musste raus. Dachte oh da ist es schoen kuehl und habe die Fenster aufgemacht. Nun ich war wohl nicht ganz wach, denn ich bemerkte die Moskitos nicht, die herumschwirrten. Helmut schon, denn als ich zurueck zum Auto kam, war er schon wieder auf der Jagd. Aber es hielt sich in Grenzen und irgendwie bekam ich dann auch noch 2 Stunden Schlaf.

6.30 aufgestanden . Vor allem die Hunde leiden unter der stickigen Hitze so beschliesse ich aufzustehen. Draussen ist es – im Gegensatz zu drinnen kuehl und die meisten Moskitos scheinen sich endlich schlafen gelegt zu haben. So ziehe ich mich um, spaziere die Hunde und oeffne die Tueren um Luft ins Auto zu lassen. Helmut nutzt das Kuehle gleich aus und schlaeft noch ne Runde. Als er wach ist fruehstuecken wir eine Kleinigkeit und sind dann tatsaechlich um 10 Uhr schon on the road. Gerade als wir losfahren ueberfahren wie die dreitausendste Meile dieser Fahrt.

Nicht das es in Arkansas nichts zu sehen gibt, dennoch beschliessen wir diesen Staat auf den Freeway zu durchqueren. Bis Little Rock ist es die I-40, dann die I-30. Voll ist es auf der Autobahn. Ein Truck reiht sich hinter dem anderen und die Jungs fahren einen ziemlich heissen Reifen. Aber wir kommen gut durch. Stuttgart lassen wir links bzw. rechts liegen – obwohl es sicher interessant gewesen waere einen Abstecher zu machen - nur so um zu sehen, wie's da aussieht. Vor allem auch weil Ulm nur ca. 10 Meilen davon entfernt liegt. Aber insgesamt waere es doch ein ziemlich Umweg geworden und wir wissen aus Erfahrung, dass die Byways sehr zeitraubend sind.


Wieder fahren wir durch viel Farmland und dies laeuft reicht ereignislos an unseren Fenstern vorbei. In weniger als 5 Stunden haben wir den Staat durchquert und kommen nach Texarkana, die Grenze zu Texas. Und was stellen wir fest? Die haben nicht mal einen roten Teppich ausgelegt ... Na gut, dann eben nicht.


Wir biegen auf die 59 ein, die uns sozusagen fast bis vor die Haustuer bringt. Das Land wird ein wenig flacher. Die Strasse ist hier an den meisten Stellen ziemlich gut ausgebaut und wir stellen fest, in Texas darf man auf den Highways schneller fahren als in den anderen Staaten (70 mph im Gegensatz zu 55 mph). Dennoch zieht sich das letzte Stueck.

In Lufkin machen wir noch einen kleinen Abstecher und besuchen Bekannte (Lews Bruder Peyton und Frau).
Von hier ist es noch ca. 1 Stunde bis in die Kathy Lane. Ein letzter Halt bei Little’ Caesars um ne Pizza fuers Abendessen zu holen und gegen 8 Uhr sind wir zuhause. Die Hunde stuermen gleich durch den Garten und freuen sich ohne Leine rumtoben zu koennen. Wir stellen fest, alles ist noch da und in Ordnung – auch Dank unserer lieben Nachbarn Ines und Winfried, die sich um alles gekuemmert haben! Okay, der Garten ist ein wenig verwildert, aber das kriegt der Helmut morgen schon wieder in Griff (und ich glaube die Schildies findet das richtig gut ;-).

Noch die wichtigsten Sachen aus dem Auto holen, auspacken und vor allem einen schoene warme lange Dusche. Und dann erstmal ankommen ...

Fahre Memphis

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!

Mittwoch, 16. Juni 2010 / Da es gestern Abend ziemlich spaet war, schlief auch ich ein bisschen laenger als sonst (also nicht bis 6, sondern 6 15 ;-). Aber irgendwann trieb mich dann nicht das Wachsein, sondern die Blase nach draussen. Also stand ich auf und schlappte zum Laden rueber. Das ist einer der Gruende, warum wir hier uebernachten. Die WMs haben ja meist 24 Stunden offen, immer 2 Waschraeume, einen Sicherheitsdienst und man ist selten der einzige Camper.

Alles Routine, mit Hunde rauslassen und den Schleppi quaelen, waehrend Helmut weiter schlaeft. Wie der das bei dem Geraeuschpegel um uns (fahrende hupende Autos mit lauter Musik) kann, ist mir schleierhaft! Doch gegen 9 Uhr schafft auch er es und wir koennen Fruehstuecken. Helmut will dann noch mal in Laden. Zum Einen die ueblichen Dinge kaufen, die wir taeglich brauchen (Eis, Wasser etc.) und er will auch irgendwas schauen und er braucht ein paar neue Turnschuhe. Okay. Er meint so ne viertel Stunde, 20 Minuten. Okay. Ich laufe waehrend dessen die Hunde um Parkplatz, raeume den Van auf und warte. Letztlich braucht er ueber ne halbe Stunde, aber da die Temperaturen angenehm sind, ist das nicht so dramatisch (sag noch mal einer, wir Frauen brauchen immer ewig zum Schuhe kaufen, pff).

Mein Plan war, mir heute morgen – weil der so guenstig gegenueber liegt – einen Kaffee von MCD zu goennen. Allerdings ist es dann letztlich spaet und mir der Appetit drauf vergangen. So ziehen wir los.

Bis und durch Chattanooga auf dem Freeway. Wir sind hier nahe der Grenze zu Georgia und die Strasse macht sogar noch einen Schlenker in den Staat hinein. Leider bin ich mit dem Fotoapparat nicht schnell genug zur Hand um das Schild richtig zu fotografieren. Umdrehen und anhalten ist nicht, also behaupte ich einfach, dass Foto sollte so werden (... und zeigen: hier war der Scheibenwischer noch dran ...). Wir verlassen die Autobahn und nehmen die 64, die laengst durch das suedliche Tenessee fuehrt. Vorbei an riesigen Maisfeldern, Farmen, durch kleine Orte – eben so richtig Countryside. Es ist schon fast malerisch. Begleiten tut uns akustisch ein Hoerbuch von J. Griesemer „Rausch“ – absolut empfehlenswert (der Titel passt nicht wirklich, denn das Buch handelt im Prinzip von den Maennern, die das erste Transatlantikkabel fuer Telegrafen verlegen wollten).

Immer weiter gen Westen, ist das einzig ‚aufregende’ das wir durch Lawrenceburg kommen, die Geburtsstadt von David Crockett. Das war der, der achtzehnhundertweisskohl im Unabhaengigkeitskriegt Texas gegen Mexico nach Alamo ritt um zu helfen. Er hatte fuer einen Sitz im Kongress (in Tennessee) kandidiert und dabei erklärte, sollte er die Wahl verlieren "You may all go to hell, I will go to Texas!". Wie sich der geneigte Leser denken kann, verlor Crockett die Wahl und ging nach Texas, um wenig später im Alamo zu sterben. Ein Stueck texanische Geschichte und da war es ja klar, dass wir kurz anhielten und mal schnell schauten.

In dem State Park, der auch seinen Namen traegt (wie alles in dieser Stadt), stoppten wir, damit auch die Hunde ne kleine Pinkelpause bekommen und sich die Fuesse vertreten koennen.

Ab hier fuhr ich die naechsten Stunden. Noch mal ne PP (ich habe bei einem Lowes-Laden gehalten, aber irgendwie war das nicht so ne gute Idee, als ich da reinging und die vielen roten Westen sah, erinnerte mich das zu sehr an Arbeit).

Dann Memphis. Wir waren auf einer unser Greyhoundtouren schon mal durch diese Stadt gekommen, die im Prinzip wie jede andere amerikanische Grossstadt ist. Und da wir keine Elvis-Fans sind (wobei es sicher mal witzig waere Graceland anzuschauen) fuhren wie durch, verliessen Tennessee und rollten ueber den Mississippi nach Arkansas ("Arkensaw", wie der Amerikaner es ausspricht) hinein.

Wir hatten uns im Campbook einen State Park ausgeguckt. Wir dachten uns, so sehen wir noch ein bisschen was von Arkansas und campen noch mal zum Abschluss, bevor wir uns dann am Donnerstag auf den Freeway Richtung nach Hause schwingen.

Eine kleine sehr countrysidemaessige Strasse fuehrte zu dem Park. Wir erwarteten nichts grosses und waren dann um so mehr ueberrascht, als wir den Village Creek State Park sahen. Ein ziemlich grosses Gelaende. 3 verschiedene Campsites, einer davon speziell fuer Leute mit Pferden. Da gibt es sozusagen fuer jeden Stellplatz einen offenen Stall, ausserdem natuerlich Reitwege. Auch hatten die Cabins zu vermieten, einen kleinen See etc. Das einzige was uns wunderte war, dass der ganze Park so gut wie leer war. Ich meine, immerhin sind Ferien.

Nachdem wir ne Runde gedreht hatten, fanden wir ein Plaetzchen. Rings herum niemand. Wir tobten ein bisschen mit den Hunden und beschlossen dann das Vordach aufzubauen. Gesagt, getan. Ein schoener Abschluss eines ruhigen Tages liegt vor uns. Wir ueberlegen sogar ein Feuerchen zu machen.

Als Helmut dann in den Van klettert, weil er was holen will, haelt er ploetzlich wie vom Schlag getroffen still. Es summt im Auto. Dieser hohe Ton, der einen Nachts in den Wahnsinn treiben kann, wenn einem ein Moskito um den Kopf schwirrt. Ich lausche auch. Hier nun hoert es sich nicht nach einer einzelnen verirrten Muecke an, sondern nach einem ganzen Schwarm. Und der ist IM Dodge. Oje. Das kann ja was werden, wenn wir hier die ganze Nacht gegen die Moskitos kaempfen muessen. Und wir haben nicht die geringste Chance, sie irgendwie zu verjagen. Sie sind ueberall. Wir sind nicht gewillt, dies auf uns zu nehmen und so hilft nur eines: Flucht!

In Windeseile haben wir das Vordach wieder abgebaut und sind on the road. Helmut faehrt, ich jage Vampiere. Wir hatten schon vorm Verlassen des Freeways gesehen (Werbetafeln), dass an der naechsten Ausfahrt Motels sind und da fuhren wir nun hin. Motel 6 gabs nicht, aber ein paar andere. Ich bin rein und habe gefragt, wie die Preise sind. Alle um die 50 $ und je 5 $ pro Hund. Nun, mir persoenlich waere das ne ruhige Nacht wert. Aber Helmut ist anderer Meinung und so fahren wir die Strasse weiter, bis der WM auftaucht. Hier stehen schon mehre Wohnmobile und wir reihen uns ein in die Billiguebernachter. Allerdings stellen wir ziemlich schnell fest, dass es auch hier Moskitos gibt. Also heisst es Tueren und Fenster fest verschlossen halten. Wir jagen noch eine ganze Weile nach den Biestern, bis wir glauben zumindest 80 % erschlagen zu haben. Die Fenster sind ein einziger Friedhof. Well die mussten eh geputzt werden. Zum Glueck haben wir noch unseren kleinen Ventilator, der ein wenig Luftzug bringt. Ansonsten schwitzen wir in der drueckenden Hitze. Ich bin inzwischen allerdings so fertig, dass ich sogar einschlafe, irgendwann ...

Donnerstag, 17. Juni 2010

Mountain Blues

Stets findet Ueberraschung statt, wo man sie nicht erwartet hat. (Wilhelm Bush)

Dienstag, 15. Juni 2010, dies war die bisher ruhigste Nacht, die wir hatten. Keine Strasse in der Naehe oder andere Dinge, die irgendwelchen Laerm gemacht haetten. Als ich am Morgen um kurz nach 6 Uhr meine erste Runde zum Badehaus gehe, sehe ich in der Ferne die Great Smoky Mountains im Morgendlichen Dunst. Da kann man verstehen, woher die ihren Namen haben. Ich dachte mir, ich gehe schnell die Hunde ausleeren und mache dann ein Foto. Leider fiel dann innerhalb von 2 Minuten der Nebel ins Tal und als der sich lichtete, waren die Berge weg ... Okay, nicht weg, aber nicht mehr zu sehen. Schade.

Nun dann eben nicht, denke ich; und dann habe ich sie doch noch ein bisschen erwischt. So konnte ich mir beruhigt den Schleppi nehmen und bisschen schreibseln. Da wir es ja nun wirklich nicht eilig haben, es kuehl ist (ich hatte mir sogar meine Sweat-Jacke uebergezogen), keine stoerenden Geraeusche, nichts .. schlief Helmut bis in die Puppen. Nun nicht ganz, denn gegen 9.30 fing ich einfach an ein bisschen mehr rumzurumoren – ein dezentes Zeichen, nun koenne er langsam wach werden. Das tat er dann auch.

Ich beschloss erstmal nochmal das Badehaus aufzusuchen. Gestern abend war ich fuer ein Dusche schlichtweg zu faul und das wollte ich jetzt nachholen. Also wenn man jemand nach Cherokee, NC kommt, empfehle ich diesen Camping waermstens. Die Restrooms sind zwar nicht nagelneu und modern, aber sauber, sehr sauber. Man sieht eindeutig, das hier Frauen den Laden schmeissen. Wirklich. Details wie Badezimmermatten vor den Duschen / Waschbecken, ueberall kleine Abfalleimer, Handseife, ein paar Blumen usw. Mir zeigt dies, das es wirklich nur darauf ankommt, es in Ordnung zu halten. Und in sauberen Waschraeumen wie diesen, neigen sogar Maenner dazu, nach sich das Waschbecken auszuwischen (sagt Helmut).
Ein wundervoller Morgen und so stand zunaechst einmal ein gemuetliches Fruehstueck an. Und wieder kam die Ueberlegung vielleicht hier noch nen Tag verbummeln? Wieder mal die Karten konsultieren, rechnen wie lange wir wo hin brauchen usw. Entscheidend war dann letztlich, dass das Wetter umschlug, zumindest ein Stueck weit. Schon den ganzen Morgen hatten wir gesehen, wie sich ueber den Bergen die Wolken auftuermen. Nun hoerten wir auch das Grollen des Donners und ein Blick auf die Wettersseite im Internet zeigte uns, dass es Regen geben sollte. So packten wir unseren Krempel zusammen. Faszinierend finde ich ja, schaut man morgens ins Auto, sieht es voellig verruempelt aus, doch fange ich an zu raeumen, ist in 5 Minuten das Chaos beseitigt ...
Der Ort Cherokee, durch den wir gestern schon gefahren sind, ist inmitten eines Indianerreservats. Und man mag davon halten was man will, aber die Leute hier, schlagen daraus ihr Kapital. Souvenierlaeden mit Indianerpuppen, aufgebaute kleine Buehnen wo Indianer in ihrer traditionellen Kleidung Taenze auffuehren, es gibt ein Theater mit Show, ein Welcome Center, in dem man einen Cherokee Nation Passport erhaelt und natuerlich etliche Arts & Crafts Laeden die handgefertigte Toepfe, Figure etc. verkaufen. Erstaunlich finde ich die Schriftzeichen der Cherokee (erinnern ein bisschen an russisch, oder?). Nicht etwa dass wir nun jeden Touristenkram mitmachen, aber das interessierte uns doch und so drehten wir ne Runde durch die Stadt. Ein paar Souveniers und hauptsaechlich bisschen gucken. Interessant fand ich noch, dass die Indianer hier ueberall Schildkroeten abgebildet, geschnitz oder sonst irgendwie dargestellt haben.

Zum Abschluss noch der taegliche Abstecher zum Lebensmittelgeschaeft. Hier fing es dann auch prompt an zu regnen, was ein Stueck weit anhielt.
Dann hiess es mal wieder hit the road. Wir hatten uns ueberlegt, aussen um den Park herum zu fahren (Helmut hatte auf der Karte einen Staudamm entdeckt) und dann spaeter erst zu entscheiden, welche Route wir dann weiter nehmen wollten. Ich studierte die Karte. Okay, erst die 19 und dann die 74 East bis zur Abzweigung 28. Dann da weiter. Gesagt getan. Wir fuhren und fuhren, aber irgendwas stimmte da nicht. Was macht dieser Ort hier? Anhalten, nochmal die Karte anschauen, nein, es stimmt 74 East. Aber warum ist der Fluss hier direkt an der Strasse? Das ist auf der Karte gar nicht eingezeichnet. Nun, die stimmen ja auch nicht immer wie wir aus Erfahrung wissen. Wo ist unsere Abzweigung? Noch mal anhalten, nee stimmt, 74 East. Moment! East? Osten? Warum fahren wir eigentlich nach Osten? Wir muessen nach Westen! Ahrgh! Nun waren wir ueber die Haelfte des Urlaubs immer gen Osten gefahren und irgendwie war das wohl noch in den Koepfen ... Wir mussten erstmal ziemlich lachen. Dies verging uns dann allerdings, als wir versuchten umzudrehen, da wir ja in die andere Richtung wollten. Beim ersten Mal von der Schnellstrasse fahren gabs keine Auffahrt auf der anderen Seite. Beim zweiten Mal war die Abfahrt ne Sackgasse. Wir fragten uns ernsthaft: was will uns das sagen? Doch dann beim dritten Mal klappte es und nun fuhren wir westwaerts ...


Eine wirklich schoene Strasse an der Suedseite der Great Smoky Mountains entlang bis zum Fontana Dam. Der war von dem her interessant, weil er – mehr oder weniger – gerade gebaut war. 1942 – 45 gebaut, ein Monstrum aus Beton und Stahl. Heute wuerde man sowas nicht mehr bauen ...

Von hier gings weiter – nach Westen – die 129 nehmend. In dem Shop am Damm hatte ich schon etliche Souvenirs gesehen, die ziemlich auf Biker getrimmt waren unter anderem eben mit der Strassennummer. Und wir sahen auch immer mehr von Ihnen. An der Kreuzung wo die Strasse anfaengt, ein grosses Motel / Resort – fuer Biker und Mopeds ueberall. Dann auch ein Schild „The Tail of the Dragon“, so wird dieser Strassenabschnitt genannt und scheint eine beliebte Strecke fuer Motoraeder zu sein. Warum das wurde uns bald klar: Kurven. Viele Kurven. Sehr viele Kurven. Die Strasse besteht nur aus Kurven! Rechts, links, 180 Grad, rechts, links ... 14 Meilen lang! Insgesamt sind es 318 Kurven auf 11 Meilen ... Was zuerst ja noch irgendwie ganz witzig war, wurde ziemlich schnell zur Herausforderung. Okay, Helmut hatte seinen Spass beim fahren, aber Clyde und ich wechselten irgendwann die Gesichtsfarbe in Richtung gruen! Aber unsere tapferen Loewchen sind ja nicht so schnell klein zu kriegen. Und dann sahen wir ein Schild, das uns etwas stutzig machte: Road closed in 1 Mile.
 Hae? Strasse gesperrt? Was heisst das nun wieder.

Nun, nach 1 Meilen stellten wir es fest: es heisst die Strasse ist gesperrt! Oje muessen wir jetzt das ganze Stueck Kurven zurueck fahren? Helmut ging mal den Typ fragen, der da rumstand und der erklaerte ihm es hatte einen Felsrutsch gegeben und heute wuerde das wohl nix mehr (verstaendlich, es war inzwischen auch schon fuenf Uhr nachmittags). Es hilft nichts, umdrehen. Well, das hatten wir heute ja schon ein paar mal geuebt und so drehten wir halt um und fuhren die ganzen – gefuehlsmaessig ungefaer 500 – Kurven zurueck. Also wir haben hier die Kurven fuer saemtliche geraden Strassen der Reise wett gemacht! Selbst Helmut, der erst noch solchen Spass daran hatte hier zu fahren, war an einem Punkt wo es eben diesen nicht mehr unbedingt machte.

Am anderen Ende angekommen schauten wir uns nochmal um und tatsaechlich, da hing ein einziges mickeriges Schild, das ueber die Strassensperrung informierte. Klasse!
Es ist was es ist. Mal wieder die erdachte Route ueber den Haufen werfen und nen neuen Plan machen. Eines war sicher, wir hatten genug von den Great Smoky Mountain und Bergen und so. Weg, nur weg. In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit ueberlegten wir, dass es sich kaum noch lohnt auf einen Camping zu gehen. Und alle in dieser Umgebung sind so oder so eher einfach (ohne Duschen usw.), so koennten wir genauso gut auf einen WM-Parkplatz. Ich sucht den naechsten, der in Cleveland Tennessee ist. Also gut, erste auf der 129 nach Sueden, dann die 74 nach Westen.

Helmut fiel noch ein, dass er ja noch einen Stein fuer seinen Steingarten am Pond braeuchte (er bringt von den Fahrten immer welche mit). So suchten wir noch ein passende Stelle zum Halten. Ich wollte noch ein Foto machen, von dem „Efeu“ das hier ueberall waechst. Auf dem Boden, den Baeumen, den Strommasten. Es entstehen seltsame Gebilde, aber es ist auch sehr erschreckend. wie in einem Horrorfilm, wo alles ueberwuchert wird ...

Wir fuhren in die Dunkelheit hinein, so sahen wir von dem malerischen Tal durch das wir kamen nur noch sehr wenig. Vielleicht auch ganz gut so, denn auch ich war irgendwie mit Bergen und Taelern und so bedient.

Als Cleveland dann schon fast in Sichtweite war, musste Helmut mal wieder sein „ich finde ein billigere Tankstelle“-Spiel spielen. Mich begeistert das ja nicht sehr und ganz ehrlich um die Uhrzeit (22 Uhr) brauche ich keine Nervenkitzel mehr ob wir es zu Tankstelle schaffen oder nicht – ganz davon abgesehen, dass wir fuer heute genug Abenteuer gehabt hatten. Well wir fanden rechtzeitig eine Tanke. Helmut ging noch rein und fragte die Dame nach dem naechstgelegenen Walmart. Hier ein Anmerkung, ich finde es macht Sinn, wenn er fragt, wenn er faehrt. Weil wenn die mir das erklaert und ich dann ihm usw., sind Fehler vorprogrammiert. Und ausserdem frage ich nicht gerne ;-)

Noch eine kleine Rundfahrt durch die naechtliche Stadt und gegen halb elf stellten wir das Auto hin und den Motor ab. Noch schnell die Hunde Gassie fuehren und dann – ohne Abendessen – ins Bett. What a Day!