Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!
Mittwoch, 16. Juni 2010 / Da es gestern Abend ziemlich spaet war, schlief auch ich ein bisschen laenger als sonst (also nicht bis 6, sondern 6 15 ;-). Aber irgendwann trieb mich dann nicht das Wachsein, sondern die Blase nach draussen. Also stand ich auf und schlappte zum Laden rueber. Das ist einer der Gruende, warum wir hier uebernachten. Die WMs haben ja meist 24 Stunden offen, immer 2 Waschraeume, einen Sicherheitsdienst und man ist selten der einzige Camper.
Alles Routine, mit Hunde rauslassen und den Schleppi quaelen, waehrend Helmut weiter schlaeft. Wie der das bei dem Geraeuschpegel um uns (fahrende hupende Autos mit lauter Musik) kann, ist mir schleierhaft! Doch gegen 9 Uhr schafft auch er es und wir koennen Fruehstuecken. Helmut will dann noch mal in Laden. Zum Einen die ueblichen Dinge kaufen, die wir taeglich brauchen (Eis, Wasser etc.) und er will auch irgendwas schauen und er braucht ein paar neue Turnschuhe. Okay. Er meint so ne viertel Stunde, 20 Minuten. Okay. Ich laufe waehrend dessen die Hunde um Parkplatz, raeume den Van auf und warte. Letztlich braucht er ueber ne halbe Stunde, aber da die Temperaturen angenehm sind, ist das nicht so dramatisch (sag noch mal einer, wir Frauen brauchen immer ewig zum Schuhe kaufen, pff).
Mein Plan war, mir heute morgen – weil der so guenstig gegenueber liegt – einen Kaffee von MCD zu goennen. Allerdings ist es dann letztlich spaet und mir der Appetit drauf vergangen. So ziehen wir los.
Bis und durch Chattanooga auf dem Freeway. Wir sind hier nahe der Grenze zu Georgia und die Strasse macht sogar noch einen Schlenker in den Staat hinein. Leider bin ich mit dem Fotoapparat nicht schnell genug zur Hand um das Schild richtig zu fotografieren. Umdrehen und anhalten ist nicht, also behaupte ich einfach, dass Foto sollte so werden (... und zeigen: hier war der Scheibenwischer noch dran ...). Wir verlassen die Autobahn und nehmen die 64, die laengst durch das suedliche Tenessee fuehrt. Vorbei an riesigen Maisfeldern, Farmen, durch kleine Orte – eben so richtig Countryside. Es ist schon fast malerisch. Begleiten tut uns akustisch ein Hoerbuch von J. Griesemer „Rausch“ – absolut empfehlenswert (der Titel passt nicht wirklich, denn das Buch handelt im Prinzip von den Maennern, die das erste Transatlantikkabel fuer Telegrafen verlegen wollten).
Immer weiter gen Westen, ist das einzig ‚aufregende’ das wir durch Lawrenceburg kommen, die Geburtsstadt von David Crockett. Das war der, der achtzehnhundertweisskohl im Unabhaengigkeitskriegt Texas gegen Mexico nach Alamo ritt um zu helfen. Er hatte fuer einen Sitz im Kongress (in Tennessee) kandidiert und dabei erklärte, sollte er die Wahl verlieren "You may all go to hell, I will go to Texas!". Wie sich der geneigte Leser denken kann, verlor Crockett die Wahl und ging nach Texas, um wenig später im Alamo zu sterben. Ein Stueck texanische Geschichte und da war es ja klar, dass wir kurz anhielten und mal schnell schauten.
In dem State Park, der auch seinen Namen traegt (wie alles in dieser Stadt), stoppten wir, damit auch die Hunde ne kleine Pinkelpause bekommen und sich die Fuesse vertreten koennen.
Ab hier fuhr ich die naechsten Stunden. Noch mal ne PP (ich habe bei einem Lowes-Laden gehalten, aber irgendwie war das nicht so ne gute Idee, als ich da reinging und die vielen roten Westen sah, erinnerte mich das zu sehr an Arbeit).
Dann Memphis. Wir waren auf einer unser Greyhoundtouren schon mal durch diese Stadt gekommen, die im Prinzip wie jede andere amerikanische Grossstadt ist. Und da wir keine Elvis-Fans sind (wobei es sicher mal witzig waere Graceland anzuschauen) fuhren wie durch, verliessen Tennessee und rollten ueber den Mississippi nach Arkansas ("Arkensaw", wie der Amerikaner es ausspricht) hinein.
Wir hatten uns im Campbook einen State Park ausgeguckt. Wir dachten uns, so sehen wir noch ein bisschen was von Arkansas und campen noch mal zum Abschluss, bevor wir uns dann am Donnerstag auf den Freeway Richtung nach Hause schwingen.
Eine kleine sehr countrysidemaessige Strasse fuehrte zu dem Park. Wir erwarteten nichts grosses und waren dann um so mehr ueberrascht, als wir den Village Creek State Park sahen. Ein ziemlich grosses Gelaende. 3 verschiedene Campsites, einer davon speziell fuer Leute mit Pferden. Da gibt es sozusagen fuer jeden Stellplatz einen offenen Stall, ausserdem natuerlich Reitwege. Auch hatten die Cabins zu vermieten, einen kleinen See etc. Das einzige was uns wunderte war, dass der ganze Park so gut wie leer war. Ich meine, immerhin sind Ferien.
Nachdem wir ne Runde gedreht hatten, fanden wir ein Plaetzchen. Rings herum niemand. Wir tobten ein bisschen mit den Hunden und beschlossen dann das Vordach aufzubauen. Gesagt, getan. Ein schoener Abschluss eines ruhigen Tages liegt vor uns. Wir ueberlegen sogar ein Feuerchen zu machen.
Als Helmut dann in den Van klettert, weil er was holen will, haelt er ploetzlich wie vom Schlag getroffen still. Es summt im Auto. Dieser hohe Ton, der einen Nachts in den Wahnsinn treiben kann, wenn einem ein Moskito um den Kopf schwirrt. Ich lausche auch. Hier nun hoert es sich nicht nach einer einzelnen verirrten Muecke an, sondern nach einem ganzen Schwarm. Und der ist IM Dodge. Oje. Das kann ja was werden, wenn wir hier die ganze Nacht gegen die Moskitos kaempfen muessen. Und wir haben nicht die geringste Chance, sie irgendwie zu verjagen. Sie sind ueberall. Wir sind nicht gewillt, dies auf uns zu nehmen und so hilft nur eines: Flucht!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen