Freitag, 11. Juni 2010

Florida fuer Anfaenger

Wer an der Küste bleibt, kann keine neuen Ozeane entdecken. (Magellan oder Kolumbus oder einer von denen ...)

Donnerstag, 10. Juni 2010 / Wir wollten den Ventilator nicht die ganze Nacht laufen lassen, da er auf Autobatterie laeuft und anschieben ist beim Van nicht, so war es streckenweise ein wenig warm. Die Hunde hoerte etwas vom Wildlife draussen und diese ungewohnten Geraeusche brachten sie dazu, sich ab und an bemerkbar zu machen, aber alles in allem einer sehr ruhige Nacht

Ich stand wie immer frueh auf und nutzte den herrlichen Morgen fuer einen Spaziergang mit den Hunden. Ich glaube denen gefiel es hier auch, gleichwohl sie nicht so begeistert sind, dass sie immer an die Leine muessen. Aber wir haben ihnen erklaert, dass sie – vor allem nach Bonnys Sprung in den Alligatorbayou – fuer den Rest der Ferien ‚Leachrestriction’ haben. Sozusagen Leinenarrest ...

Und waehrend Helmut noch den Schlaf der Gerechten schlief, setzte ich mich hin und maltretierte die Tasten an meinem Schleppi. Zwar gibts keine Internet, aber dann ist der Tetxt schon man geschrieben. Ein Hotspot wird sich dann schon finden.

Ein ausgiebiges Fruehstueck in der Sonne war ein guter Start in den Tag. Ich gebe zu, die pick-farbenen Tischdecke ist geschmackssache, aber bei nem geschenkten Gaul ... und so. Dann hiess es packen, wir duschten nochmal und los gings. Also wenn die Hunde hier an den Strand duerften, haette ich glatt gesagt, wir bleiben noch ein wenig. Aber so ...

Heute wollten wir es etwas schlauer machen und als aller erstes nach einem Walmart Ausschau halten. Und dies nicht nur, weil wir Eis fuer den Cooler brauchten – in der Waerme haelt es nicht sehr lange – sondern wir wollten auch unseren Obst- und Wasservorrat auffuellen. Irgendwie zieht sich dass dann zeitmaessig immer so ein bisschen, da wir natuerlich auch noch die Restrooms ausnutzen usw. Aber letztlich ging es wieder on the road, die 90 entlang der Kueste nach Osten. Rechts von uns die beruehmt-beruechtigte Airbase von Pensacola. Ein riesen Gebiet, eingezaeunt und abgegrenzt.

Entlang der Kueste fanden wir nun ein paar Orte, die so richtig so aussahen, wie man sich Florida eben vorstellt, so mit Palmen und Tourihotels und weisser Sandstrand. Ab und zu fuehrte die Strasse auch ein wenig mehr durchs Hinterland, da sah man dann die von diversen Hurrikans gestrippten Baeume.

Wir hatten noch ueberlegt, ob wir vollends die 90 fahren oder die I-10 nehmen. Auf letzterer wuerden wie definitiv schneller vorwaerts kommen. Hier standen wir nun erstmal im Stau (der erste bisher auf der Reise). Doch das Hoerbuch von unseren Freunden (Der traeumende Delfin) half ueber die Wartezeit und drum wir schon mal hier sind, wollen wir auch was sehen. Also Freeway links liegen lassen und schoen immer am Wasser entlang. Als wir aus den grossen Touristenorten raus waren, wurde der Verkehr auch deutlich weniger.
Die zwei Hundies lagen hinten im Auto und schliefen anstatt mal aus dem Fenster zu schauen. Wie Babies eingelullt vom Brummen des Motors. Kein Wunder sind die Nachts immer putzmunter.
Nicht nur wir brauchen hin und wieder Fluessigkeit um zu funktionieren, sondern auch unser bester Dodge. Er ist ja schon ein wenig ein durstiger und so muessen wir ab und zu mal tanken. Wir beobachten unterwegs immer die Benzinpreise und zwischen 2.78 und 2.43 per Gallone haben wir schon so ziemlich alles gesehen. Nun war es mal wieder soweit, der Van hatte Durst, welches er uns durch das Aufleuchten der Zapfsaeule im Amaturenbereich anzeigte. Helmut ist da immer ziemlich gelassen und meint: ah wir koennen noch mindestens 25 Meilen weiter fahren. Ich zittere da schon lange und sehe uns vor meinem geistigen Auge schon am Strassenrand stehen und auf die RoadSide Assistance warten. Nein, die Tankstelle ist noch zu teuer, da vorne kommt bestimmt ne billigere ... so hangeln wir uns weiter. Mir bricht langsam der Schweiss aus, doch mein Mann bliebgt weiter ruhig. Da endlich eine, die den Sprit fuer 2.52 verkauft und ich kann Helmut ueberzeugen, dass das ein guter Preis ist. Er haelt dann auch und tankt und ich atme auf. Wir stellen dann fest, dass ist wirklich ein guter Deal gewesen. Irgendwie schafft er es dann ja doch immer, eine billige Tanke zu finden ... mpf.
Auf unserer Weiterfahrt entlang der Kueste von Florida, sehen wir von Touriorten ueber Fischerdoerfer, Sandstraende und unbewohnte Suempfe so ziemlich alles. Es waere wirklich schade gewesen, dies alles auszulassen.

Auch dies sehen wir und Helmut erlaubt sich die Bemerkung: wir sind doch hier nicht in Rumaenien ...
Was die Oelpest angeht, stellen wir fest, dass die Medien mal wieder sehr uebertreiben. Ja, ich finde auch, jeder Tropfen Oel der ins Meer fliesst ist ein Tropfen zuviel und jeder Vogel der stirbt ist ein Vogel zu viel. Aber uns faellt auf, dass es an den Kuesten selber nicht so schlimm ist, wie es suggeriert wird. Die Bilder, die durch die Berichterstattung im Kopf entstehen entsprechen (noch) nicht den Tatsachen. Die Hilfsmannschaften schaffen es doch viel von dem Oel schon auf See einzudaemmen, so dass es gar nicht erst in grossen Mengen an die Straende geschwemmt wird.  Nicht das ich diese Katastrophe verharmlosen will, auf keinen Fall, aber wir haben an der Kueste selber davon nicht viel gesehen. Es wird auch ueberall noch gebadet und wir haben nirgends gesehen, dass Straende gesperrt waren. Dies gilt aber nur fuer die Bereiche der Kueste Louisianna / Mississippi / Alabama / Florida, die wir gesehen haben.
Wir haetten ja gerne eine Weile an einem der schoenen Straende gesessen und gebade und so, aber leider duerfen unsere zwei Loewchen da nirgends hin und so – keep on rollin’.

Auffallend finden wir die vielen Bruecken, die sie hier fuer die Kuestenstrasse gebaut haben. Vieles ist Sumpflandschaft und es gibt einige Fluesse die es zu ueberqueren gilt. Doch auch zu den vorgelagerten Inseln haben die Amerikaner, wo ueberall sonst eine Faehre fahren wuerde, ellenlange Bruecken gebaut.

Urspruenglich hatten wir ueberlegt heute schon fast bis an den Atlantik zu kommen, aber die Strasse zog sich dann doch ganz schoen lange hin. Auch ueberquerten wir in der Naehe von Cameron, Fl die Grenze und haben jetzt Easternstandardtime. Das heisst wir verloren sozusagen eine Stunde.
Inzwischen fuhr ich mal wieder und so langsam machten wir uns Gedanken, wo wir uebernachten sollten. Helmut studierte das Campbook und guckte ein paar Plaetze aus. Dann kam uns aber noch eine andere Idee. Wir hatten in dem Souveniershop bei der USS Alabama ein „Roomsaver“-Magazin mitgenommen. Das ist ein Heftchen, mit lauter Coupons fuer Motel / Hotels. Ein Blick dorthinein verriet uns dass es in Lake City ein Motel 6 gibt, wo wir fuer 36 $ uebernachten koennten. Der Entschluss fiel schnell, da es auch schon auf 21 Uhr zuging. Dank meines Co-Piloten war das Motel gleich gefunden, die hatten auch noch ein Zimmer und der Coupon galt tatsaechlich. So zogen wir ein mit Sack und Pack.

Zum Abendessen gab es fuer die Hunde ne Dose Filet Mignon und fuer uns ein MRE. MREs sind Meals ready to eat. Diese wurden von der FEMA und anderen oeffentlichen Stellen gleich nach dem Hurrikan Ike ausgeteilt. Auch bei Helmuts Arbeitsstelle gabs welche und obwohl wir sie nicht brauchten, holte er zwei. Einfach so, mal zum testen. Bisher hatten die immer im Schrank gelegen, aber nun fanden wir es war an der Zeit diese zu probieren. Nachdem er die Bedienungsanleitung entziffert hatte, bescherrte uns dies zum Abendessen Nudeln mit Sauce (fast heiss, da ist so ein Dings dabei, dass man es aufwaermen kann – ich weiss aber nicht genau wie das funktioniert) und zum Nachtisch ein Kuchen. Mit dabei sind auch Kraeker und Peanutbutter, getrocknete Cranberries und Salz, Streichhoelzer und – ganz wichtig – zwei Kaugummis.

Nach diesem kulinarischen Erlebnis (es war wirklich ganz gut), gab's noch einen Walk fuer die Dogs und dann hiess es Feierabend, immerhin war es schon 23 Uhr. Gaehn.

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