Mittwoch, 9. Juni 2010

Who Dat!

Lieber ins kalte Wasser springen und einen kleinen Schock erleiden, als lange Zeit in der Hitze davor zu schmoren! (Florian Ebner)

... und ich gebe es zu, haette ich in dieser Nacht einen Pool in der Naehe gehabt, ich waere bestimmt ein paar mal hineingesprungen. Denn es war heiss. Dazu kam eine Luftfeuchtigkeit von ca. 85 % ... Wir sind das ja prinzipiell mal gewoehnt und mir macht auch Hitze nichts aus. Aber zum Schlafen, ist das doch eher unangenehm, da ist schon nach kuerzester Zeit alles durchgeschwitzt ist. Wir sind eben doch schon Klimaanlagen verwoehnt und muessen uns erst langsam wieder and das Natuerliche herantasten. Dazu kam die ungewohnte, auf so einem Parkplatz auch unruhige Umgebung, die nicht nur uns, sondern vor allem den Hunden zu schaffen machte. Okay Bonny hoert nichts und schlaeft daher auch recht ruhig, aber Clyde ist ein guter Wachhund – in diesem Falle zu gut. So bekamen wir in dieser Nacht eher wenig Schlaf. Das hat aber auch Vorteile, so ist man frueh wach und kommt bald los.
Doch bis dahin dauerte es noch eine Weile, denn erstmal hiess es noch Fruehstuecken. Die Hunde meckerten, weil in ihren Schuesseln das taegliche Stueck HotDog fehlte (baeh, nur Trockenfutter?!). Wir hielten es – wie wir es unterwegs immer tun – klassisch mit Brot mit Cream Cheese.
Helmut liess es sich auch nicht nehmen noch mal im Laden zu schauen, ob es nicht batteriebetriebene Ventilatoren gibt – so wegen Luftbewegung in der Nacht und so ... Aber gegen 8.30 waren wir dann so weit und es hiess: hit the road. Weiter auf der 182, nach Osten, entlang der Louisianna Coast. Diese ist gepraegt von Sumpflandschaft. Nichtsdestotrotz wohnen hier eine ganze Menge Leute. Meist in Trailer oder Mobilhomes, aber es gibt ein paar richtig schoene alte Haeuser, so wie man sie sich in den Suedstaaten vorstellt (zumindest jeder der von „Vom Winde verweht“ angeschaut hat). Wir beschlossen, fuer uns ist das nichts, aber es ist sehr interessant es mal gesehen zu haben.

Fuer mich als inzwischen Profibotaniker (*raeusper*) waren natuerlich die riesigen Life Oaks und Magnolienbaeume interessant. Und die Blumen, die hier wild am Strassenrand wachsen, verkaufen wir im Laden um teures Geld. Wir wunderten uns auch, was die wohl auf all diese Feldern anbauen. Ich meine, was ausser Schilf waechst in so einem Sumpf? Wir sehnten uns ein wenig in die Zukunft, wo man in so einem Fall einfach seinen holografischen ‚On-board-Fremdenfuehrer’ aktiviert und nachfragt ...

Unser naechstes groesseres Ziel war New Orleans. Wir dachten uns, wenn nun schon mal hier in der Naehe sind, sollten wir es uns ja auch mal angeschaut haben – zumindest aus dem Auto heraus. Gesagt getan.

Hier moechte ich noch eine Anmerkung machen, vielleicht als kleinen Trost fuer alle. Helmut und ich haben selten irgendwelche Auseinandersetzungen und wenn wir verreisen sind wir uns in – ich sag mal 90 % - aller Dinge einig. Doch wenn wir mal ins diskutieren kommen, ist meistens die Landkarte Schuld. Wirklich, wenn die nicht genau anzeigen, wo es lang geht, mein Frauenrechts nicht als Links interpretiert wird und dann noch irgendjemand beschliesst ploetzlich an der Strasse rumzubauen, sie gar zu sperren, kann es durchaus zu einem Wortwechsel ueber die Kompetenzen der Frau im Strassenverkehr und beim Kartenlesen kommen. Aber wir sind ja erwachsene Menschen und schafften es die Meinungsverschiedenheit zu ueberwinden ohne die Scheidung einreichen zu muessen.

Doch zurueck nach New Orleans. Um in die Stadt zu kommen (zumindest von Westen her) muss man zunaechst den Mississippi ueberqueren. Ein gewaltiger Fluss! Ich staune immer wieder, wenn ich die von Menschen erschaffenen Bruecken sehe, die solche Stroeme ueberqueren. Und weiter durch die Stadt. Ueberall trifft man auf franzoesisch, was ich ja richtig nett finde. Natuerlich liessen wir es uns nicht nehmen, eine Tour durch das French Quarter (Bourbon Street) zu drehen. Ausgestiegen sind wir nicht, denn es war uns schlicht zu voll und ausserdem regnete es gerade. Uns fiel auf, dass wir noch nie so viele Bier- und Spiritouosenlieferwagen auf einem Haufen gesehen hatten. Auch sind wir nicht solche Bargaenger, dass wir die Vielfalt eben dieser hier ausnutzen wuerden. Alles ist auf Touries getrimmt und von den Hurrikanschaeden nichts mehr zu sehen. Okay, been there, done that.



New Orleans’ grosser See wurde ja traurig beruehmt durch Kathrina. Heute nun lag er friedlichst da und sich die Zerstoerungskraft vorzustellen fiel schwer. Wir hatten beschlossen, wir machen den kleinen Umweg und fahren den Causeway, der mitten hindurch geht. 24 Meilen Bruecke! Wiev iel Beton die wohl verbaut haben?


Da wir wie erwaehnt noch kein Campbook fuer den Suedosten der USA hatten, hatten wir uns vorab ein AAA-Buero (das ist wie ADAC in Deutschland) ausgeguckt und das war dann auch unser naechstes Ziel. Die Dame hier war sehr freundlich, als sie hoerte wir sind Deutsche und wollte uns gleich mit Kartenmaterial etc. ueberschuetten – alles fuer umsonst (weil Helmut den ADAC erwaehnte – gleichwohl seine Mitgliedschaft seit etlichen Jahren abgelaufen ist ;-)

Und dann machten wir, dass wir aus Louisianna wegkamen. Irgendwie lud dieser Staat (zumindest der Teil den wir gesehen hatten, nicht zum verweilen ein. Auf unserer Weiterfahrt die Kueste entlang, sahen wir sie dann doch noch, die Auswirkungen der Oelpest. Nein, keine Oelteppiche, aber Arbeiter die Barrieren an den vielen kleinen Fluesse auslegten, die hier von und zum Meer fliessen.

Am Strand von Gulfport / Mississippi, fanden wir sogar ein paar schwarze Klumpen, aber ob die nun vom Oel sind, wissen wir nicht. Alles in allem, war es hier aber supersauber und wir vermuteten, dass am Wochenende Halligalli ist. Wirklich ein toller Strand, doch auch hier liefen schon Herren in Leuchtwesten am Strand entlang und hielten Ausschau nach Oel und dessen Rueckstaenden. Traurig, wenn so eine Kueste verseucht wird ...

Wir beschlossen in Gulfport zu bleiben. Noch mal in nen Laden, paar Kleinigkeiten besorgen, dann – da wir ja jetzt einen Fuehrer hatten – einen Campingplatz gesucht und gefunden. Ein huebscher Platz. Neben der Tatsache, das es WIFI gibt, war wohl die heisse Dusche am Abend das Beste. Ahhh es tat so gut den Schweiss abzuwaschen ... Jetzt koennen die naechsten Tage kommen.

Ich hatte noch eine kleine Auseinandersetzung mit meinem Laptop, die darin endete, dass ich am Auto etwas kaputt machte. Mein Akku war alle und ich wollte das Netzteil in den Zigarettenanzuender stecken. Der – sowieso schon wackelig – nun vollends im inneren des Amaturenbrettes verschwand. Zum Glueck habe ich einen McGyver dabei, der hats gerichtet. So konnten wir uns in aller Ruhe zur Ruhe legen.

PS: Wer sich ueber den Titel des heutigen Blogs wundert, Who Dat ist der Schlachtruf der New Orleans Saints, das Footballteam, dass unerwartet den letzen Superbowl gewonnen hat.

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