Der Süden ist immer da, wo man noch nicht hingekommen ist. (Carl Spitteler)
Samstag, 12. Juni 2010 / Ich war wie immer als Erste wach und nachdem ich mir die Zaehne geputzt hatte, bin ich ein Stueck mit den Hunden gelaufen, die ganz klar auch schon wach waren. Ich frage mich immer, bin ich als erstes wach und wecke sie oder ist es umgekehrt?
Anschliessend habe ich mir vorne an der Rezeption warmes, braunes Wasser geholt – wobei der „Kaffee“ hier besser schmeckte als der gestern, was aber das Einzige bessere hier war. Dann habe mich mit dem Schleppi aufs Bett gesetzt und in die Tasten gehauen, waehrend Helmut noch ne Runde geratzt hat. Er ist unausgeschlafen immer ein wenig unleidig. Ausserdem hatten wir es auch heute nicht eilig. Wie ich schon erwaehnte lief auf Ebay eine Auktion, an der Helmut mitbot. Es war von dem her wichtig, als dass, wenn er denn das Teil kaufen wuerde, wir einen kleinen Umweg ueber Kentucky machen muessten. Nun, letztlich bekam er es nicht, aber bis wir dann auscheckten war es 11 Uhr.
Schon gestern hatte ich das naechste Ziel ausgeguckt, Savannah. Wobei wir hier zunaechst die vorgelagerte Insel Tybee Island anssteuerten.
Aber was kommt immer als erstes, wenn wir on the road gehen? Genau, wer auch immer meine Eintraege regelmaessig liest, hat es schon erraten: wir brauchen Eis fuer den Cooler. Heute wollten wir mal was Neues ausprobieren. Der gemeine Amerikaner reist ja nicht ohne, also Cooler fuer kalten Getraenke. So ist der Bedarf an eben jenem Eis ziemlich gross. Man kann es an praktisch jeder Tanke kaufen und in jedem Laden. Inzwischen gibt es aber auch „Eis-Automaten“. Einfach grosse weisse Kuehlkaesten. Das genau wollten wir heute mal ausprobieren.
Dann also Tybee Island. Ein Touristenbadeort, wie gehabt. Neu, jedenfalls hatte ich das noch nie gesehen, an der Strasse standen Leute, die in ihrem Garten Stellplaetze fuer 10$/day vermieteten. Wir hatten aber daran kein Interesse. Erstens duerfen die Hunde nicht an Strand, zweitens war der hier ein wenig zu ueberlaufen (zumal es Wochenende ist).
Wir begnuegten uns mit ein paar Bildern, ich lief einmal bis ans Wasser um die Fuesse im Atlantik zu baden und weg waren wir wieder. Fort Pulaski, ein National Monument (also mit unserem Jahrespass freier Eintritt) war das naechste wo wir hin sind.
Helmi ist mal gucken gegangen und blieb eine Weile fort. Die hatten heute Kanonenschiessen auf dem Plan und dass konnte er sich ja nicht entgehen lassen. Die sind da so richtig in Uniform rumgelaufen und so. Auch meinte er dies Fort sei wesentelich besser erhalten, als das letzte da er angeschaut hatte. Jemand sagte ihm dann, dass es hier wohl so einen Freiwilligen-Verein gibt, die das Ganze in Schuss halten ...
Ich sass derweil mit den Hunden im Auto, habe bisschen geschlepptoppt und geschwitzt. Doch der kleine Ventilator half, dass es gut auszuhalten war. Helmut hatte genuegend Bilder gemacht, so dass ich das dann auch sehen konnte. Und die Geschichte des Forts habe ich in dem Flyer gelesen, den wir am Parkeingang bekommen haben.
Als mein Mann dann zurueck kam beschlossen wir noch auf den Picknickplatz zu fahren und zu lunchen und dann verliessen wir die Insel. Noch eine kleine Rundfahrt durch ‚Historic Savannah’. Nun, was die hier historisch nennen sind meist ein paar alte Haeuser aus der grossen Suedstaatenaera. Ausserdem typisch fuer diese Gegend sind lange Baumalleen mit teilweise sehr alten Eichen und Palmen.
Zwei Dinge fallen mir auf. Eines davon ist, dass ich an diesem Tag mehr Mercedes gesehen habe, als im ganzen letzten Jahr zusammen. Also hier wohnen glaub’ ein paar Leute, die ein bisschen mehr Geld haben ... Ausserdem sieht man allenthalben Kennzeichen, die wir sonst nie zu Gesicht bekommen: New Jersey, Main, Massachussetts usw. Alles die Nordoestlichen Staaten. Irgendwie verirren die sich nie nach Texas.
Immer wieder sehe ich die Schilder fuer Plantagen und ab und zu sieht man durch die Baeume ein grosses Haus. Aber Die Landschaft entlang der Kueste hier ist hauptsaechlich durch die Suempfe bzw. das Marschland mit viel Schilf gepraegt. Das bedeutet, man kann selten bis direkt ans Wasser fahren und der Blick aufs Meer wird meist durch Baeume (Mangroven, Eichen, Palmen) verdeckt. Irgendwie schade, ich hatte mich darauf gefreut vielleicht doch irgendwo in Ruhe ein bisschen Zeit am Strand zu verbringen.
An den Stellen wo es dann mal Strand gibt, ist es – da Wochenende und Ferien – total ueberlaufen mit Leuten und natuerlich duerfen unsere zwei Suessen nirgends mit hin. Wir seufzen und denken uns: wir haetten in Jacksonville bleiben sollen, da haetten die Hunde abends an Strand gedurft! Nun, das ist jetzt zu spaet. Umdrehen lohnt nicht und so fahren wir eben weiter.
In Charlston halten wir nicht an, aber wir fahren durch und wieder gibt es ein paar alte Haeuser und viel Baumalleen zu sehen. Doch im Prinzip aendert sich das Bild nicht wirklich. Und auch was die Strasse angeht, aendert es sich nicht gravierend.
Der Mensch ist ein Rindvieh und sucht sich immer seinesgleichen.
Diesen Spruch schnappte mein Dad bei Kommissar Bienzle auf und als wir in den naechsten Ort kommen, finden wir dies bestaetigt. Ich meine die Gegend um Myrtle Beach. Ich hatte schon am Mittag die Vermutung geaeussert, dass dies in der Art wie Tybee Island ist, da es hier Sandstrand gibt. Mit anderen Worten: viele Touristen, Hotels und, da auch noch Samstag, Party ueberall. Auf den Strassen Massen von Menschen und Autos. Die einzigen zwei bezahlbaren Campingplaetze (mit Preisen unter 30 Dollar die Nacht) sind voll. Wir beratschlagen was wir machen sollen und entschliessen uns, ein Stueck ins Landesinnere zu fahren und auf einem Walmart-Parkplatz zu uebernachten.
Gesagt getan. Wir werden fuendig und stellen feste, dieser WM ist so neu, dass er noch nicht mal in dem 2010 WM-Fuehrer steht. Ein passender Stellplatz ist bald gefunden. Nochmal die Hundies walken, ein wenig ueber den weiteren Verlauf unserer Reise plaudern und dann bald schlafen.
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