Donnerstag, 18. Juni 2009

Wenn wir die Bruchstuecke ...

... gluecklicher Augenblicke zusammensetzen, kann daraus ein Mosaik werden, das unser ganzes Glueck zeigen kann.

Daher als Abschluss, der Versuch eines Fazits:

Die Welt ist ein Buch, wer nie reist sieht nur eine Seite davon. (Aurelius Augustinus)

... das ist wohl wahr! Reisen bildet und auch wir haben wieder viel Neues erlebt und gelernt. Wir sind insgesamt ueber 4.000 Meilen (wobei der gesamte Blog 4 ½ tausend Meilen umfasst) gefahren; wir kommen mit mehr zurueck als wir weggefahren sind, soll heissen die Liste der Dinge, die wir noch sehen wollen ist wieder ein Stueck laenger geworden; unsere Hunde sind die perfekten Reisebegleiter; ich habe kein Gramm zugenommen; wir schaffen es aus dem Urlaub zu kommen und noch miteinander zu reden ;-) (jederzeit wieder liebster Helmut) und unser bester Dodge erwies sich einmal mehr als idealer fahrbarer Untersatz!

Was nun den Blog angeht – auch Neuland fuer mich – bin ich froh, dass ich den Schritt gewagt habe. Auch wenn manch ein Beitrag eher in Eile geschrieben wurde und so nicht unbedingt voll meinem persoenlichem Anspruch genuegt, so ist es doch ein schoenes Dokument dessen, was wir erlebt haben. Ich freue mich jetzt schon darauf, dies wieder durchzulesen (dann haelt der Urlaub ein bisschen laenger an).
Spannend war natuerlich auch der zeitgleiche Blog von Sanni.
Auch finde ich, was einen Blog ganz allgemein angeht, in jedem von uns steckt doch ein kleiner Voyeur im ganz positiven Sinn. Warum sollte man alle Erfahrungen unbedingt selber machen?

Bleibt mir noch ein ‘review’ fuer das Haus zu schreiben und meinen lieben Freunden und Lesern Astrid & Gerhard zu danken, die mich zum einen fleissig mit frischen Zitaten beliefern und die mir immer treu Kommentare geschrieben haben. So wusste ich doch, irgendjemand ausser mir liest den Blog und dafuer lohnt sich die Muehe schon!


Na dann, bis zur naechsten Reise ...

Das Leben selbst ...

Das Leben selbst ist wie eine Reise! schrieben mir meine Freunde aus Elgersweier vor der Abfahrt und das gereicht mir vorerst als Trost. So werde ich jetzt daran arbeiten, das naechste Ziel zu erreichen – diesmal ohne viele Meilen, dafuer dann eher mit etwas Arbeit ... aber davon berichte ich dann ein anderes Mal ...

Also ganz davon abgesehen, dass ich gerne unterwegs bin, ist auch schoen, wieder in einem normalen Bett zu schlafen und das eigene Bad zu haben.

Mittwoch, 17. Juni 2009 -
Doch hier nun der Bericht zu unserem ‚last Day on the road’. Los ging es mit – wer haette es gedacht – aufstehen. Heute mal ein bisschen frueher, freundlich geweckt vom Campingplatznachbarn, der seinen Truck warm oder kalt laufen liess – bei den Aussentemperaturen nicht wirklich nachvollziehbar - und er hatte so einen huebschen mit ‚kaputtem Auspuff’. Klasse! (Helmut sagt, der war nicht kaputt, der muss so sein - ein echter Trost)
Nun wir wollten ohnehin nicht so spaet los. Nachdem wir noch die Emails runtergelanden haben und die Bilder fuer das Posting hoch-, fahren wir ohne Fruehstueck los. Aus frueheren Zeiten weiss ich, dass dies zeiteffektiv ist und tatsaechlich, gegen 8.00 Uhr rollen wir vom Platz.
Noch eine kurze Tour durch die Stadt um zu tanken und Eis fuer den Cooler zu holen, schneller Halt bei WM um Wasser zu kaufen und dann ein Stopp bei den Golden Arches (McD) fuers Fruehstueck 2Go. Endlich bekomme ich mal wieder einen Kaffee (*lechz*), der recht gut ist und vor allem ziemlich heiss. Noch ein McMuffinEgg oder so aehnlich zum beissen, um dann wieder auf die Interstate 10 Richtung Sued-Osten zu fahren.
In Fort Stockton ist es immer winding (ich habe es noch nie anders erlebt) und Helmut meint, dass waere doch auch ein guter Platz fuer Windraeder. Prompt tauchen diese – fast wie ueberdimensionale Kreuze – auf den umliegenden Huegeln auf. Doch was wir aeusserst mysterioes finden ist, dass so gut wie alle still stehen, trotzdem ein kraeftiger Wind weht ... seltsam. Doch wir koennen des Raetsels Loesung nicht finden und geben uns damit zufrieden, dass die wohl wissen werden, was sie tun – oder auch nicht.

Weiter, weiter, Meile um Meile und ‚Moby Dick’ begleitet uns. Mir faellt mal wieder auf, wieviele zerfetzte Reifen hier an der Strasse liegen. Helmut sagt, weil die hier mit schlechterer Bereifung fahren, bzw. es gibt keine Mindestprofiltiefe und viele fahren mit zu geringem Luftdruck und so ... Well, wir haben auch mehrere Trucks gesehen, denen gerade ein Reifen platzte und die dann an den Strassenrand ‚humpelten’ ..

San Antonio umfahren wir grosszuegig. Angehalten wird nur fuer PPs und Fahrerwechsel. Huegellandschaft wechselt sich ab mit flachen Ebenen, es wird etwas gruener. Kekse und Chips halten uns wach.

Gegen Mittag telefoniere ich mit meiner Schwester Doris. Sie, ihre Kinder, meine Eltern und Desi waren ja die letzten, die das Ferienhaus verliessen. Ich will wissen ob noch alles okay war, schliesslich hatte ich die Reservierung gemacht und will mein Deposit zurueck ;-) Die sechs sind inzwischen auf dem Weg zum Grand Canyon um auch noch ein wenig Sight Seeing zu machen, bevor es zurueck nach Tacoma, Washington State geht (auch eine Strecke von ca. 1700 Meilen).

Unser Weg fuehrt uns durch flaches Cattleland direkt hinein nach Houston. Hier stehen wir natuerlich prompt im Stau – Grossstadt halt!
Gedanklich ist Helmut schon wieder bei unseren noch fertigzustellenden Haeusern und so fuehrt uns der Weg nach Hause ueber den LOWE’s in Kingwood. Er hatte im Internet nachgeschaut und festgestellt, dass die ein bestimmtes Material in einer besonderen Farbe (Desert Tan Roll Roofing) haben, dass der Lowe’s in Livingston nicht fuehrt. Und weil wir so oder so gerade hier vorbei kommen ... nur um dann festzustellen, die haben’s auch nicht. (*argh*)

Dann halt nicht! Es sind noch 50 Meilen nach Hause. Diese erscheinen uns – da nun auf altbekanntem Terrain (die 59 ist ja die ‚Flughafenstrasse’) – viel kuerzer und in null komma nix sehen wir schon unseren Lake. Er ist noch da und es ist auch noch Wasser drin! Um 6.30 kommen wir dann in der Kathy Lane an.
Ein erster Rundblick zeigt, dass noch alle Pflanzen nebst Schildkroete leben, das Haus noch steht (nur ein bisschen muffig ist, aber da wirkt Fenster und Tueren oeffnen Wunder) – und wir keinen Strom haben. Fiel mir auf, da die Fontaine am Teich nicht funktionierte. Mein erster Gedanke, den ich dann auch laut ausspreche: haben wir vergessen die Stromrechnung zu bezahlen? Ooopps! Doch ziemlich schnell klaert sich, dass der Strom in der ganzen Umgebung ausgefallen ist und dass noch nicht allzulange, denn Alles im Gefrierfach ist noch gefroren. Zum Glueck (ich erinneren mich mit Grauen daran, als meine Familie noch in Plieningen wohnte und von den Ferien nach Hause kam, um festzustellen, dass der Kuehlschrank ausgefallen war und dass ein paar Tage lang und im Gefrierfach war Fleisch ... und ich will das jetzt nicht weiter ausfuehren ...).

Nun, der Strom kam wieder und wir auch. Zurueck im Land der Pick-up Trucks und Mustangs (Ford), der hoher Luftfeuchtigkeit und Moskitos.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Das Reisen will uns eines lehren: ...

... Das Schönste bleibt stets heimzukehren (Deutsches Sprichwort)

Nun wirklich damit uebereinstimmen kann ich nicht, bin ich doch eher der Typ „Zigeuner“, der lieber noch ein Stueck weiterfahren will. Nichtsdestotrotz sind wir wieder wohlbehalten in Livingston und muessen erstmal ankommen. So folgt der Bericht ueber unseren letzten Tag on the road morgen (Donnerstag).
Vorab mal eine Impression, wie es bei uns unterwegs im besten Dodge zugeht:

Clyde und Bonny

und natuerlich der Fahrer:
Helmut

Dienstag, 16. Juni 2009

Abendrot ...

...als schuere die Sonne das Feuer im Kamin der Zeit! (wb)

Genau dies genossen wir an unserem letzten Abend auf Tour. Und zwar einmal nicht aus dem fahrenden Auto, sondern in unseren superbequemen 10-Dollar-Campingstuehlen ayf nem Campingplatz in Fort Stockton ...

Doch der Reihe nach:
Schon gestern Abend hatte ich festgestellt, dass ich die HotDogs fuer die Hunde im Kuehlschrank in Las Vegas vergessen hatte. Und trotz treuer, bettelnder Blicke von Bonny, Clyde und mir, wollte Helmut nicht umdrehen ... Nun, heute morgen stellte ich dann fest, dass ich auch meine Duschartikel vergessen hatte. Ich weiss auch nicht, normalerweise bin ich ziemlich gut im alles wieder mitnehmen, aber diesmal war mein Kopf wohl woanders (und mein Unterbewusstsein suggerierte: ich will noch bleiben ;-). Ich fand dann noch ein kleines Schampoo (bei meinem letzten Besuch in Frankreich im Ibis Motel mitgenommen) in meiner Waschtasche und so machte ich mich, nachdem ich in der Nacht sehr gut geschlafen hatte, am Morgen gegen sieben auf in den Waschraum.

Der Camping hatte ja WiFi und so sassen wir dann beide noch vor dem Fruehstueck am Rechner und laptoppten vor uns hin. Dieses – das Fruehstueck – gab es dann gemuetlich am Tisch sitzend, aber wieder ohne Kaffee!

Um 10 schafften wir es dann loszukommen. Erstes Ziel war der National Park White Sands gleich hinter Alamogordo. Eine Warnung genug Wasser mitzunehmen, da es im Park keines gibt, verstehen wir spaeter, als wir drinnen sind.
Zunaechst einmal scheinen die Duenen gar nicht soo besonders, da noch mit allerlei Pflanzen bewachsen. Wobei ich es faszinierend finde, war da auf den Sand so alles noch waechst.
Wenn man dann weiter in die Duenenlandschaft vordringt, wird klar warum es White Sands (also weisser Sand) heisst. Das Sonnenlicht auf dem aus einer Art kristallisiertem Gips bestehenden Sand ist gleissend. Es blended so sehr, dass sogar ich, die ich normal kein Sonnenbrillentraeger bin, eine solche aufsetze. Wir halten an. Hier darf man noch auf die Duenen raufklettern und dass tun wir dann auch. Da es noch vormittag ist, ist der Sand angenehm kuehl und ich ziehe sofort die Schuhe aus. Barfuss fuehlt es sich noch besser an. Auch unsere Hundies duerfen eine Runde durch die Duenen toben, sind aber anschliessend total fertig. Die Luft ist knochentrocken, es ist heiss und dazu weht noch ein Wind. Der Wassernapft ist ziemlich schnell leer geschlabbert, aber ich glaube sie haben es trotzdem genossen.

Nach ca. 1 Stunde verlassen wir den Park wieder und fahren weiter. Die Strasse fuehrt mehr oder weniger durch Millitaergebiet. Ich sehe ein Schild auf dem steht:
Missile Range – Birthplace of Americas Spacediscovery – na dann! Ich weiss das hier Raketentest durchgefuehrt wurden und sogar das Spaceshuttle schon mal gelandet ist. Allerdings finde ich, dass manche Werbung, die hier so am Wegesrand steht, das Ganze - fuer meinen Geschmack - ein wenig verherrlicht.
Dennoch haette uns das Spacemuseum bzw. das Missilemuseum sehr interessiert. Doch die Zeit laesst es diesmal nicht zu, dass wir anhalten.

Bei der Weiterfahrt ueber Las Cruces nach El Paso, sehen wir rechts und links der Strasse grosse Pecan Tree Plantangen. Dieser Baum kann in dieser doch eher kargen Landschaft gut wachsen und produziert genuegend Fruechte, dass es sich lohnt ihn zu kultivieren.

Und dann hat uns Texas wieder. Kurz vor El Paso. Bei der Fahrt durch die Stadt winken wir kurz nach Mexico rueber. Der Rio Grande trennt hier El Paso und Juarez und man sieht den hohen Zaun und die schaebig wirkenden Haeuser auf der anderen Seite ...

Die Naehe zu Mexico bringt so allerlei mit sich. Unter anderem viele Sheriffautos auf der Strecke und eine Kontrollstation der Border Patrol. Als alte Hasen waren da ganz locker und haben dem netten Herrn unsere IDs gezeigt (Helmut natuerlich seinen Ausweis von der Arbeit, dass er fuer den Staat Texas arbeitet ;-) und haben freundlich mit ‚yes sir’ geantwortet. Wir mussten daran denken, wie wir bei unserer ersten Kontrolle (ich glaube 2004? oder 2005?) noch verunsichert waren und den armen Officer durcheinanderbrachten, als wir ihm nicht nur den Pass, sonder auch unsere Greencard unter die Nase hielten ... heute lachen wir darueber.

Wir fahren durch Van Horn, schliesslich war diese Gegend mal in der engsten Auswahl. Uns fallen die vielen Motels auf. Die waren doch beim letzten Mal noch nicht da, oder? Wer will denn in diesem ‚gottverlassenen’ Nest mitten in der Wueste uebernachten? Helmut erinnert sich dann daran, mal etwas von einem „Space Hafen“ gelesen zu haben – es geht um bemannte Raumfahrt und gab angeblich sogar schon mal Testfluege (der Kumpel von Bill Gates hat da irgendwie die Finger im Spiel).
Allerdings war es im letzten Jahr etwas ruhig um die Geschichte geworden ... Vielleicht hat es damit zu tun, wer weiss.

Natuerlich lassen wir es uns nicht nehmen einen Abstecher nach Lobo zu machen. Diese „Geisterstadt“ war vor ein paar Jahren von ein paar verrueckten Deutschen gekauft worden, die die Haeuser nach und nach wieder renoviert haben bzw. wollten. Wir hatten ein paar von Ihnen kennengelernt, als wir das erste Mal in dieser Gegend waren. Heute allerdings scheint alles verlassen und so fahren wir die 10 Meilen Richtung Freeway zurueck.

Dieser fuehrt uns nun immer weiter gen Osten. Meile um Meile arbeiten wir uns vorwaerts. Und da es so langsam Abend wird, fangen wir an zu ueberlegen, wo wir die Nacht verbringen wollen. Einerseits moechte Helmut am Mittwoch nicht zu spaet zuhause sein, andererseits gibt es auf dieser Strecke nur wenig Moeglichkeiten zu uebernachten (die Gegend ist so verlassen, da gibt es nicht mal nen Walmart).

Nach ein bisschen hin und her entscheiden wir uns dafuer, in Fort Stockton auf den Campingplatz zu fahren. Wir waren schon zwei Mal hier und es hat uns immer gefallen. Duschen und Clos sind sauber und es gibt WiFi.


Ja und so kommt es dann, dass wir einen wunderschoenen Sonnenuntergang geniessen koennen. Spaeter noch ein wenig auf dem Schleppi rumhacken und dann ins Bett, denn morgen heisst es frueh aufstehen. Wir haben noch ca. 600 Meilen vor uns!

Ach ja, noch fuer die Statistiker unter uns noch Folgendes: wir haben heute die 3000-Meile-Grenze durchbrochen und bis wir morgen wieder in Livingston sind, werden wir ca. 700 Dollar fuer Benzin ausgegeben haben ....