Freitag, 11. Juni 2010

Der Vorhof zur Hoelle

Mittwoch, 9. Juni 2010

Wache stets auf wie ein Kind, um die Welt auf's neue zu entdecken. (Manfred Schröder)

Die Nacht war etwas kuehler als die letzte und durch die abendliche Dusche waren die Voraussetzungen fuer einen erholsamen Schlaf fast perfekt. Leider jedoch waehrte das Gute nicht lange, denn ein Moskito hatte beschlossen es sich bei uns im Auto bequem zu machen und sich zwischendrin immer mal wieder einen Drink meines Blutes zu genehmigen. Also ich weiss nicht, was dieses Moskito an mir so berauschend fand, aber das koennen wir Nicht-Vampire wohl nicht nachvollziehen.

Vor einer ganzen Weile schon kam die Marke OFF – die in USA marktfuehrend in der Herstellung von Mueckenabwehrsprays, -kerzen, -lampen etc. ist – mit einem neuen Geraet heraus. Eine tropfenfoermige, etwa getraenkedosengrosse Plastikvorrichtung mit Clip um dies z.B. an den Hosenbund zu haengen. Im Inneren befindet sich ‚Repellent’ und ein kleiner Propeller, der diesen Geruch um einen herum verteilt und dass soll dann angeblich Muecken verjagen. Wir dachten uns, dass koennte ja auch auf so einem engen Raum wie unserem Van funktionieren. Tut es auch, aber es verjagt die Muecken eben nur und toetet sie nicht. Meine Beine waren wohl ausserhalb des Wirkungsbereiches ... hmpf.

Jedenfalls kaempfte ich eine ganze Weile mit dem Moskito, bis ich beschloss mich mit Autan einzureiben. Eine Lotion gegen Muecken, aber ich finde sie ziemlich klebrig und mag sie daher nicht besonders. Doch in diesem Falle erschien mir das das geringere Uebel ... Endlich schlief ich ein. Doch dann - puenktlich um 6 – weckte mich ...wer wohl?

Also stand ich auf und liess die Hunde raus und beschloss aufzubleiben. So hatte ich dann ein wenig Zeit, in aller Ruhe den Morgen zu geniessen.Helmut nutzte eben die Ruhe um auszuschlafen.

Da wir schliesslich im Urlaub sind und nicht auf der Flucht, liessen wir uns an diesem Morgen auch richtig Zeit. Gemuetlich fruehstuecken, mit den Platznachbarn quatschen (das ueberliess ich Helmut, der ist ein besserer Socializer als ich), ein bisschen im Internet surfen und bloggen, nochmal die Dusche ausnutzen (wer weiss wo wir am Abend landen werden) usw. Sehr urlaubsmaessig auf jeden Fall.

Gegen 10.30 machten wir uns dann auch den Weg. Heute durfte ich mal fahren. Wir sollten Eis fuer den Cooler besorgen, ansonsten fehlt es an nichts. Nun erstmal fuhren wir noch einmal an den wunderschoenen Strand in Gulfport / Biloxie, den wir gestern schon bewundert hatten. Auch gibt es hier Casinos und Hotels und so ... Also ich koennte mir gut vorstellen, hier mal ne Woche – oder auch zwei - Urlaub zu machen. Durch die Lage (Louisiana ist weiter ins Meer vorgelagert und schuetzt so diesen Bereich, dies erklaerte ein Platznachbar auf dem Camping uns) sind die Straende hier bisher auch von der Oelpest im Grossen und Ganzen verschont geblieben.

Doch alsbald verliessen wir Mississippi und machten uns auf den Vorhof der Hoelle (so hatte unser Freund Charlie Alabama einmal tituliert) zu erkunden. Okay, wir wuerden nur einen ganz kleinen Teil davon zu sehen bekommen, aber vielleicht wuerde das genuegen um diese Aussage zu bestaetigen. Entlang der 90 East, auch in der Hoffnung irgendwo wuerden wir noch Gelegenheit bekommen Eis zu besorgen – wir hatten naemlich immer noch keines ... Erstes Ziel Mobile. Ich fahre, Helmut liest Karte und dirigiert. Ich stelle fest: auch Maenner koennen das nicht so unbedingt immer perfekt, denn prompt verfahren wir uns. Aber letztlich sind wir aus der Stadt raus.
Leider haben wir den total coolen Tunnel verpasst, aber was soll’s. Ein Stueck die Strasse runter ist ein Historic Side – eine historische Sehenswuerdigkeit, die wir uns anschauen wollen. Hier liegt eines der grossen amerikanischen Schlachtschiffe, die USS Alabama. Okay, ich persoenlich bin jetzt nicht so ein Technikfreak, aber es ist durchaus imposant anzuschauen. Auch sind hier alte Flugzeuge (unter anderem ein B-52 Bomber), Panzer und Geschuetze ausgestellt.

Wir laufen eine Runde ueber den Platz – so kriegen die Hundies gleich ihren Spaziergang – bemerken dann aber zum ersten Mal richtig, dass wir ein wenig eingeschraenkt sind mit Ihnen zu reisen. Es ist viel zu heiss, sie alleine im Auto zu lassen und in das „Museum“ (das Schiff) duerfen wir sie nicht mitnehmen. Ich schlage Helmut vor, alleine zu gehen, da mich das so oder so nicht so interessiert, aber er beschliesst, das es ihm genuegt, das Ganze von aussen mal gesehen zu haben und so geht die Fahrt bald weiter.

Sicher koennen wir noch irgendwo an einer Tankstelle halten und Eis kaufen. Die Getraenke koennen ein wenig Waerme durchaus vertragen, aber der Schinken? Doch irgendwie kriegen wir den Dreh nicht und den Weisungen meines Co-Pilots folgend, schwingen wir uns auf die I-10 in Richtung Osten.

Und je weiter wir nach Osten kommen, um so mehr bekommen wir nun doch von dem Oel zu sehen, das als Lachen auf dem Wasser schwimmen. Es sind keine so veheerenden Mengen, wie man auf Grund der Medienberichte vermuten koennte, aber trotzdem. Wir sehen sie auch nicht auf dem Meer selber, sondern in den Fluessen, von denen es hier massenhaft gibt. Und ueberall sind die gelb / orangenen Barrieren ausgelegt ...

Alabama hat nur einen sehr kleines Stueck Land entlang des Meeres und so verlassen wir es recht bald wieder. Es ist heiss, aber den Vorhof zur Hoelle koennen wir so nicht ganz bestaetigen. Wir sind wohl doch schon etwas abgehaertet.

Der Tip eines Campers vom Platz in Gulfport fuehrt uns nach Pensacola, Florida, der dritten US-Staat, durch den wir an diesem Tag fahren. Er hatte uns von einem alten Fort und einem Park und schoenen Campground erzaehlt und nach ein paar Recherchen hatte Helmut selbigen auch gefunden. Wir wollten nun herausfinden, ob der Herr uns einen guten Tip gegeben hatte oder nicht. Wir fanden heraus, er hatte.

Vorgelagert auf einer Insel, faehrt man zunaechst ueber eine gebuehrenpflichtige Bruecke. Dann gelangt man in einen richtigen Touriort – so wie er ueberall auf der Welt sein koennte. Laeden, Hotelbunker, Apartments etc. Naja. Aber hier gibt es sicher irgendwo jemanden, der uns Eis verkauft ... doch schon sind wir aus dem Ort wieder raus und fahren in Richtung State Park.

Am Eingang erkundigen wir uns nach den Camping-Moeglichkeiten und ob es zufaellig auch einen Laden gibt. Ja, geht alles und wir muessen nicht mal Eintritt zahlen, da wir einen Jahrespass fuer National Parks haben (der auch fuer sehr viele State Park etc. gilt).

Ein wenig erinnert uns die Strasse an die White Sands. Wir fahren bis zum Ende, denn dort liegt Fort Pickens. Eine ziemlich grosse Verteidigungs-Anlage die in verschiedenen Kriegen genutzt wurde um den Tiefwasserhafen von Pensacola vor Angriffen zu schuetzen - die jedoch nie stattfanden. Sehr imposant. Helmut macht sich auf, diese zu erkunden waehrend die Hunde und ich im Schatten am Eingang sitzen bleiben (die zwei duerfen da nicht rein) und Leute beobachten (eine meiner Lieblingsbeschaeftigungen).

Hier finden wir dann auch einen Laden und koennen endlich Eis fuer den Cooler kaufen. Und die Hunde hatten sich schon so auf den Schinken gefreut (die essen den naemlich auch noch, wenn er bisschen ‚overdue’ ist) ...

Es ist 5.30 und wir beschliessen uns jetzt am Camping anzumelden und einen Platz fuer die Nacht zu suchen. Noch ein kurze Halt an einem Aussichtspunkt. Helmut geht, ich bleibe bei den Hunden, denen der Zutritt zum Strand hier ueberall verwehrt ist; was natuerlich daran liegt, dass die meisten Leute es wohl nicht schaffen wuerden ihre Hunde an die Leine zu nehmen und deren Hinterlassenschaften aufzusammeln.

Nun wie ich da so sitze und schaue, sehen ich anderen Autos kommen und wegfahren. Unter anderem ein junger Typ. Ich denken noch, typisch Ami, der laesst den Motor laufen, waehrend er rumlaeuft ....Nun, irgendwie hatte er sich wohl verkalkuliert, denn als er zuruck kommt, verweigert im das Auto den Zutritt. Er hatte den Schluessel stecken lassen und nur die Fernbedienung mitgenommen. Diese funktionierte aber nicht, solange innen der Schluessel steckte .. Er kam zu mir und fragte ob ich einen Kleiderbuegel habe (ich glaube der hat zuviel Fernsehen geschaut) was ich verneinte. Aber, meinte ich, ich koennte mir vorstellen, dass mein Mann irgendwas hat, was er benutzen koennte. Der waere aber gerade an den Aussichtspunkt gelaufen. Da ich nicht vom Auto weg wollte ging der Typ ihn holen und nun kruschtelten die zwei in Helmut „Werkzeugkiste“. Alles was sie fanden – was fuer diesen Zweck tauglich sein koennte – waren ein paar Zeltheringe. Helmut McGyver kam auf die Idee sie mit Klebeband (aus seiner Wunderkiste) zusammenzukleben, damit dies provisorische Werkzeug lang genug ist . Es dauerte eine halbe Ewigkeit, aber letztlich – woran ich nie gezweifelt hatte – schaffet Helmut es die Beifahrertuer zu oeffnen. Also wenn das mit dem legalen Geldverdienen mal nicht mehr klappt ...

Der Typ war heilfroh, natuerlich. Es stellte sich noch heraus, dass er bei der Army sein und hier stationiert. Urspruenglich kommt er aber aus Montgomery Texas, was bei Livingston ‚um die Ecke’ ist. Es gibt ja keine Zufaelle ...

Als wir dann letztlich zur Camp Registration kamen, war schon geschlossen. So suchten wir uns einfach einen schoen Stellplatz und schlugen unser Lager auf. Nach dem Abendessen drehten wir noch ne Runde ueber den Platz und stellten fest, wir hatten uns das ruhigste Eck ausgesucht. Wer weiss, was man uns zugewiesen haette, denn wir sehen ja schon ein wenig verwegen aus (vor allem Helmi mit seinem 5-Tage-Bart) und dann nur nen Van und so (bisschen Hippimaessig) ... Nun, es gibt ja keine Zufaelle ...

Als es dann vollends dunkel war sind wir ins Bett. Helmut hatte den neuerworbenen Ventilator montiert, der ein wenig fuer Abkuehlung sorgte. Ich hatte vorsichtshalber ne lange Hose und ein langaermeliges T-Shirt an wegen der Moskitos. Na dann Gute Nacht!

1 Kommentar:

  1. What Would MacGyver Do?

    Helmut macht seinem Namen alle Ehre!
    Wenn er in der Nähe ist hast du immer eine helfende Hand.
    Wir sind gespannt welche Herausforderung als nächstes auf ihn wartet?

    Bye, Bye

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