Dienstag, 8. Juni 2010

Das faengt ja gut an!

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben.

Endlich Montag – puenktlich um 6 Uhr weckten mich die Hunde und wollten raus. Also bin ich aufgestanden und aufgeblieben. Rumwuehlen, packen, aufraeumen ... waehrend Helmut noch friedlich in der Kiste lag. Gegen 9 Uhr schaffte er es aber auch aufzustehen. Selber fruehstuecken und Schildies fuettern stand als erstes auf dem Programm (waehrend unserer Abwesenheit werden die Rudolphs sich um das Kroetenvolk kuemmern – an dieser Stelle schon mal herzlichen Dank!). Waehrend Helmut dann nochmal schnell in die Unit musste, habe ich die restlichen Dinge zusammen gesucht und Blumen gegossen. Dann alles ins Auto verfrachtet und um 12.30 ging es los.

Zunaechst noch ein kurzer ‚swing by’ am Dump den Muellsack entsorgen (wuerde nach 2 Wochen rumstehen auch nicht besser riechen), dann zu Lowes was abgeben und schon befanden wir uns auf dem Weg nach Osten. Der verhiess erstmal nichts gutes – zumindest was den Himmel anging - denn wir sahen dunklen Wolken und Blitze. Und kaum waren wir ein paar Meilen gefahren, ging es auch schon los. Da oben oeffnete jemand saemtliche Schleusen auf einmal und so war der Regen stellenweise so stark, dass man mit Mueh und Not die Strasse erkennen konnte und er begleitete uns fast bis Woodville. Doch dann hoerte es auf und so machten wir auch gleich bei einem Walmart die erste PP. So einen kleinen Markt hatte ich noch nie gesehen, er war geradezu winzig.

Als wir dann von hier aus in Richtung Sueden gen Meer abbogen, hellte sich auch der Himmel auf und so langsam kam doch auch ein Urlaubsgefuehl auf. Durch Port Arthur direkt in Richtung Sabine Pass. Dort gibt es ein Battlefield Monument und wir hatten gedacht, dass koennte wir doch anschauen. Aber das Schild dorthin war verhaengt und es stand geschlossen dran.


Nun, dann eben nichts mit Geschichte und Kultur – und wir schwangen uns wieder nach Osten. Ueber eine zwar nicht sehr grosse, aber sehr steile Bruecke erst entlang eines Flusses, ueber die Grenze und dann entlang der Kueste. Immer rechts das Meer und links einen wilden Marshlandschaft.
Ausser den obligatorischen Ferienhaeuser, die wir schon aus Galveston und entlang der Texascoast kennen, sieht man auch hier allenthalben Raffinerien und draussen - offshore - Bohrinseln.
Wir fanden sogar einen Platz zum Parken und kurz an den Strand gehen. Die Hunden tobten gleich herum. Zum Glueck war hier nichts von der schlimmen Oelpest zu bemerken. Wir fanden eine tote (ziemlich grosse) Wasserschildkroete, aber was die Todesursache war, war nicht zu sagen. Fasziniert beobachteten wir die Pelikane, die auf einem der Wellenbrecher sassen. Louisianna ist der Pelikan-Staat, das waere eine moegliche Erklaerung.


In dem guten RandMcNally war ein Stueck der Strasse mit ‚Toll’ bezeichnet, also nichts wie hin und schauen ob die dann wirklich so toll ist ... Okay uns war klar, dass dies gebuehrenpflichtig bedeutet und wir nahmen an das es sich um eine Bruecke handelt. Es entpuppte sich dann aber als eine Umsonst-Faehre, die schon ein bisschen klapprig aussah, aber uns doch sicher auf die andere Seite brachte.


Die Strasse verlief nun ein wenig mehr Richtung Landesinnere und die Landschaft aenderte sich merklich. Es sah mehr nach Suempfen als nach Meereskueste aus. Was uns noch auffiel waren die vielen beschaedigten Haeuser (Daecher), die nach den diversen Hurrikans der letzten Jahre noch nicht wieder repariert worden sind. Auch vieles dass einfach verlassen daliegt. Es ging soweit, dass noch – inzwischen ziemlich verrostete - Fischerboote an den seltsamsten Orten ‚lagen’ ...

Auch auffallend war, dass die Haeuser alle auf Blocks/Pfaehlen/Pfeilern stehen. Sogar die Mobilhomes und Trailer, was teilweise schon sehr skuril aussah.

Viel trinken, viel treib – also mal wieder Ausschau halten nach einem PP Plaetzchen. Maenner haben es da ja relativ einfach, fuer uns Damen waere ein Busch oder so schon schoen. Nun, wir fanden nichts dergleichen, denn die Strasse fuehrte dammartig durch die Sumpflandschaft. Doch da, an einer kleinen Bruecke, ein Stueck zum an die Seite ranfahren. Sowas muss ausgenutzt werden und da hier zum Glueck nicht so viel Verkehr war, reichte der Van mir als Deckung. Noch schnell die Hunde rauslassen damit die auch pieseln koennen – ist ja nur fair. Und da geschah es! Aus dem nachmittaeglichen Tran wurden wir mit viel Adrenalin geweckt ... Also, das Bonny ein wenig schlecht hoert (hoeren mag) wissen wir ja und das sie schlecht sieht auch, aber das auch ihr Urteilsvermoegen betroffen ist, wussten wir nicht – oder hoert sie gar soo schlecht? Ich hatte sie aus dem Wagen gehoben und auf den Boden gesetzt, sie rast los, auf die Abgrenzungsmauer der Bruecke zu. Spring rauf – und rueber. Ahhhhhh. Mein Herz setze aus und die Panik (nebst Adrenalin) ein. Helmut geistesgewaertiger - und tapferer - als ich lief um das Maeuerchen herum, saemtliche Schlangen missachtend, runter ans Wasser (ein eklig sumpfiger Bayou) und rief sie. Vor Schreck schwamm sie erst in die andere Richtung, aber dann – gluecklicherweise - hoerte sie mal was und ein paar Sekunden spaeter war sie gerettet (ich hatte Clyde gleich ins Auto verfrachtet). Uff. Ich spuerte wie ich erstmal Luft holen musste, die hatte ich naemlich angehalten. Ich konnte nur den Kopf schuetteln und Helmut war sprachlos. Was hatte sie sich dabei gedacht? Wahrscheinlich nichts!

Wir trockneten sie ab und brachten sie ins Auto. Immer noch fassungslos aber dankbar. Die Dankbarkeit steigert sich noch um ein Vielfaches, als wir diesen sahen ...

Helmut war noch mal ausgestiegen um die Unglueckstelle zu fotografieren und da kam dieser Herr des Weges geschwommen - abwartend ob noch weitere Leckerbissen von der Bruecke fallen: Ist denn schon Abendessen? Ich gebe zu, mein Herz schlaegt beim Schreiben dieses Absatzes und anschauen des Bilden immer noch ein paar Takte schneller ...

Spaeter hielten wir noch mal (an einem sicheren Platz – sofern man einen Friedhof als dies bexzeichnen kann) an und duschten die Loewchen-Stuntfrau ab (das Brackwasser roch einfach nicht so prickeln). Bonny schaute uns sehr vorwurfsvoll an, nach dem Motto: ich hab doch schon gebadet. Ha ha.

Wir beschlossen noch eine Weile weiter zu fahren. Irgendwie draengte es uns so viel Abstand wie moeglich zwischen uns und die Suempfe zu legen. Nun, ganz so schnell wurden wir sie dann aber nicht los. Wir beschlossen fuer diese Nacht bei einem Walmart zu parken. Zum Einen war es eh schon spaet und zum anderen hatten wir so oder so keinen Campingfuehrer um festzustellen wo denn ein Camping waere. Nach eingehendem studieren des Walmartfuehrers, fiel die Wahl auf New Iberia (Neu Spanien, auch nicht schlecht). In dem Verzeichnis steht allerdings nur drin, in welcher Stadt und Strasse der WM ist, aber nicht wie man dort hin kommt. Nun, meist liegen sie an groesseren Strassen, aber – Ausnahmen bestaetigen die Regel – hier nicht. Und da wir nun doch schon recht muede und kaputt waren, hielt Helmut an und fragte nach dem Weg. Weil – das bestaetigte schon Gerhard – Maenner immer fragen ... Die Dame in der Tankstelle konnte ihm ziemlich geau beschreiben wohin wir muessen. Da fanden wir dann auch einen angenehmen Stellplatz und nach einem kleinen Abendessen blieb ich im Auto – bloggen – und Helmut ist in Laden Eis fuer den Cooler holen. Um 10 war wirklich Feierabend, denn fuer heute hatten wir Aufregung genug!

Montag, 7. Juni 2010

Vorbereitung

Was liegt bei Reisen näher als die Ferne?

… dachten wir uns und machten uns auf, diese zu erkunden. Doch bis das letztlich soweit war, also losfahren in die Ferne, galt es noch so Einiges zu erledigen. Zunaechst einmal machte ich einen Termin beim Frisoer, denn je kuerzer die Haare, je einfacher ist es unterwegs. Und auch die zwei Superloewchen mussten dran glauben – erst duschen und Pfoten ausrasieren und Bonny bekam noch einen Extraschnitt, der ihr einen neuen Spitznamen einbrachte „Schnaeuzchen“ (sie hatte Schwierigkeiten, beim Essen die Haare nicht mit zu schlucken). Ich finde es sieht sehr suess aus auch wenn Helmut meint sie saehe gar nicht mehr wie ein Loewchen aus ...


Wir dachten dann auch – sicher ist sicher – wir testen das neue Vordach noch mal. Helmut seit unserem Ausflug ans Meer daran herummcgyvered und wir wollten sehen – woran ich nie gezweifelt habe – ob das jetzt auch so funktioniert. Die Tochter des Nachbarn lief gerade vorbei und fragte was wir tun. Helmut meinte: We are camping. Sie: You’re camping? You guys are so weird! (Ihr seid so seltsam!) Helmut bedankte sich fuer diese durchaus zutreffende Eigenschaft unserer Person, was sie wohl noch mehr verwirrte ... Wie auch immer, Vordach sieht gut aus.



Am Freitag hatte ich frei und habe schon mal ein paar Dinge zusammengesammelt, die wir mitnehmen wollen. Inzwischen sind wir ja schon recht geuebt mit dem Camping, so fiel das nicht allzu schwer. Allerdings stelle ich fest, dass man doch irgendwie auch ‚bequemer’ wird. Ich meine, die ersten Male haben wir den Cooler gepackt, Schlafsack und paar Klamotten und los. Ich erinnere mich, dass wir bei unserer ersten Reise nur ein Taschenmesser und zwei Plastikloeffel von Dairy Queen hatten, jetzt ueberlege ich: ach ich koennte noch ein extra Messer zum Besteck mitnehmen (ich besitze sicher 10 Kuechenmesser, benutze aber immer nur eines davon und meine ich komme ohne dies nicht aus) und extra Tubberschuesseln und ein Kopfkissen und vielleicht sogar nen Topf? Dies und jenes .. alles Sachen ohne die wir bisher genau genommen auch zurecht gekommen sind. Es ist interessant wie weit ‚unten’ man die Linie zwischen Gebrauchsgegenstand (= notwendig) und Luxus (= bequem) ziehen kann.

Ganz sicher Luxus aber fuer mich (gefuehlsmaessig) unentbehrlich: mein Schleppi. Und da wir uns unterwegs ja meist ueber irgendwelche HotSpots einloggen, habe ich vorsichtshalber noch ein Backup auf CD gebrannt. Ein Verlust der hunderten von mir geschriebenen Seiten, waere fuer mich schon eine ziemliche Katastrophe.

Samstag und Sonntag bin ich nochmal arbeiten gegangen, gebe aber zu, dass war schon ein wenig halbherzig. Gleichwohl die es schafften, mich so richtig zu aergern – was soweit ging, dass ich glatt noch mal ne Mail an unseren Distric Manager geschickt habe ... bestimmt sind die froh wenn ich jetzt mal ne Weile weg bin ;-)

... und jetzt kann der Urlaub kommen!

Sonntag, 16. Mai 2010

Vorankuendigung!

Bald ist es wieder soweit und wir werden uns aufmachen, die Highways und Byways zu erkunden, die die USA zu bieten hat. Der Blick richtet sich schon ein wenig nach Osten um zu sehen, was es zu sehen gaebe, wenn wir denn dahin fahren. Und es sieht ganz interessant aus, so ...East it is!

Ich habe mir vorgenommen, wen auch immer es interessiert, daran teilhaben zu lassen und werde mich bemuehen die entsprechenden Berichte taeglich zu posten. Wer also moechte, den nehmen wir mit! Los geht's am 7. Juni.

See ya!

Dienstag, 13. April 2010

Color me gone!

Manchmal muß man gehen, um sich nicht zu entfernen. (Christa Schyboll)

... manchmal fahren, um Abstand zu bekommen ... Genau das dachten wir uns und so nutzten wir den Umstand, dass wir gleichzeitig zwei Tage am Stueck frei haben aus, packten letzten Mittwoch kurzentschlossen unsere Siebensachen und machten uns auf den Weg. Unsere liebstes Ziel dafuer ist und bleibt das Meer, die dem Festland vorgelagerte Insel Matagorda Peninlusa. Wir waren schon gespannt, was uns diesmal erwarten wuerde ...

Obwohl ich am Abend vorher Spaetdienst hatte und somit auch zu einer entsprechend spaeten Uhrzeit erst im Bett lag, stand ich beizeiten auf. Ich habe das lange schlafen nicht so sehr im Blut – vielleicht bin ich auch einfach zu unruhig. Jedenfalls war ich gegen 6.30 aus den Federn und began mein Tagwerk. Was heute wegen der bevorstehenden Fahrt natuerlich etwas anders aussah als gewoehnlich. Nachdem ich mir ein Taesschen Kaffee gegoennt und die Hunde versorgt hatte, fing ich an zu packen. Fuer zwei Tage braucht man ja wirklich nicht viel, aber da dies der erste Ausflug dieser Art in 2010 war, musste die „Camping-Ausruestung“ erstmal gefunden und entstaubt werden.

Gegen 8.30 machte ich den ersten Versuch Helmut dazu zu bewegen wach zu werden. Aus Erfahrung weiss ich ja, dass dauert immer eine Weile, bis die Bitte aufzustehen von seinem auesseren Gehoergang bis zu den Fuessen weitergeleitet wird, damit diese sich ueber die Bettkante schieben. Da machte auch dieser Tag mit Aussicht auf eine schoene Autofahrt keine Ausnahme. Ich gebe ja zu, er geht auch immer sehr viel spaeter als ich ins Bett – Helmut ist halt eine Nachteule. Doch nach ein paar weiteren freundlichen Aufforderungen, schaffte er es gegen 10 aus der Kiste und nach einem kleinen Fruehstueck war er auch fit und vorfreudig genug, dass das Packen des Autos fast nur noch Formsache war. Gegen 12 Uhr ging es dann endlich los.

Wir sind schon auf allen moeglichen und unmoeglichen Wegen ans Meer gefahren, heute aber beschlossen wir, dies direkt und ohne Umwege zu tun. Also auf die US 59 gen Houston.
In Humble zu Walmart (den kennen wir gut, da das immer die letzte PP-Anlaufstelle vor dem Flughafen ist), um noch ein paar Kleinigkeiten und Eis fuer den Cooler zu kaufen. Ausserdem hatte Helmut noch so ein Idee – von der ich aber spaeter noch berichte ...

Dann auf durch Houston. Natuerlich war hier wie immer ziemlich viel Verkehr, aber wir schafften es mit nur einem Stau. Dieser war durch einen Unfall verursacht worden. Was ich am Interessantesten fand, war, was passierte als es weiterging. Die Feuerwehr (oder wer auch immer) hatte alles aufgeraeumt und die Unfallwagen waren weggeschafft. Es blieben noch zwei Motoradpolizisten, die zunaechst einmal kurzfristig alle vier Spuren blockierte. Sie dirigierten die Autofahrer so, dass in jede Spur benutzt wurden und dann fuhren sie vorneweg los. Erst ganz langsam, dann immer schneller werdend. Sie verhinderten damit, dass – was ja nach so einem Stau haeufig geschieht - die Autos gleich kreuz und quer losrasen. Funktionierte wunderbar und irgendwie erinnerte mich das an eine Pacecarphase bei der Formel 1.
Faszinierend, aber meine Begeisterung wurde gleich darauf etwas gebremst, als mein Blick auf die Tankuhr fiel. Grellorange leuchtet auf dort eine Zapfsaeule. Ich glaube das heisst wir muessen tanken. Doch Helmut blieb ganz gelassen und meinte ‚Das reicht noch ewig’.

Also ich gebe es ja zu, ich bin kein so ein Auf-den-letzten-Druecker-Mensch, schon gar nicht wenn es ums tanken geht. Aber Helmut kann das ziemlich gut. Und waehrend mein T-shirt schon schweissnass ist, meine Haende sich verkrampfen und ich mich in Gednaken die Autobahn entlang stapfen sehe, faehrt er froehlich auch an den naechsten 3 Ausfahrten vorbei. Er meinte dann noch so lapidar, er haette ja ein Telefon. Ich: Ach ja und wenn wolltest Du anrufen? Na, sagt er, die Roadsite Assistence. Nun wundere ich mich doch: Die kommen auch, wenn Du kein Benzin mehr hast. Ja, das sei von denn gedeckt. – Nun, das ist gut zu wissen. Ich sinniere noch darueber nach, ob es sich der ADAC in Deutschland einfach nur bequem macht dies nicht im Schutzbrief zu haben oder ob der amerikanische Roadsite-Assistance eine bessere Serviceleitstung bietet (oder schlicht ihnen nichts anderes uebrig bleibt, als die Unzulaenglichkeiten der Autofahrer hier zu beruecksichtigen) ... da haelt Helmut endlich zum tanken an und uns bleibt diese Erfahrung – zumindest fuer dieses Mal – erspart.

Nachdem ich dann noch die Vorraete an Hustenbonbon aufgefuellt habe (jetzt drum Helmut es fast ganz geschafft hat die Erkaeltung los zu werden, habe ich sie wieder – oder bin ich ploetzlich pollenallergisch?) waren die naechsten 60 Meilen oder so fast ein Klacks.

Als wir endlich in Matagorda ankommen begruesst uns die oertliche Tankstelle mit einem unglaublichen (billigen) Benzinpreis von $2.60 und Helmut aergert sich ein wenig fuer $2.62 getankt zu haben. Der Laden verkauft ausserdem Koeder und sonstiges Zubehoer was der gemeine Angler noch braucht (z.B. Bier) und sieht echt urig aus.
Ein Stueck weiter sehen wir sie, die neue Bruecke. Bisher fuhr man ueber eine recht tiefliegende einspurigen Eisenbruecke. So eine, die aufklappt, wenn ein Boot durch will. Ich fand das immer recht abenteuerlich. Doch irgendwo im Stadtsaeckel war wohl noch ein Geld uebrig gewesen und so hatte man beschlossen eine – wie wir finden ziemlich unpassend grosse – Betonstrassenbruecke zu bauen. Wir haben in den letzten Jahren die baulichen Veraederungen dieser Gegend sozusagen live beorbachten koennen und es ist irgendwie immer spannend zu kommen und zu sehen, was neu ist. Und ich gebe es ja zu, auch wenn ich dieses Bauwerk nicht angemessen fuer diese Landschaft finde, die Aussicht von oben ist toll– leider gibt es aber keine Moeglichkeit zu parken und diese wirklich zu geniessen ...

Dann liegt es endlich vor uns, dass Meer. Zunaechst ueberlgen wir, ob wir unser Lager am Strand aufschlagen (es gibt an einer Stelle eine Zufahrtstrasse, so dass man direkt bis ans Wasser fahren kann). Ich gebe zu, die Idee ist reizvoll, aber ich war dann doch eher dagegen. Vielleicht bin ich schon zu haeufig irgendwo im Sand stecken geblieben oder mein Vertrauen in die Gelaendegaengigkeit des Vans ist einfach nicht so hoch ... Nun jedenfalls sind wir dann letztlich auf den bekannten und bewaehrten Parkplatz, der auch direkt am Strand liegt gefahren. Wir sahen es gleich: ein Zaun. Unser erste Verdacht: verlangen die jetzt Eintritt? Zum Glueck war das nicht der Fall, lediglich ein Teil des Platzes war eingezaeunt und das hatte nichts mit Gebuehren zu tun, sondern mit einer Baustelle. Schnell fanden wir heraus, dass die mit ziemlich schwerem Geraet dabei sind, die Flussmuendung hier, die wohl zu versanden droht, auszubaggern und zu befestigen.


Uns zog es erstmal an den wie immer fast menschenleeren Strand. Die besten Hunde – schon mit Sommerfrisur – tobten gleich los und es dauerte nicht lange, bis sie nasse Pfoten hatten. Ich tat es ihnen nach (die Fuesse baden), allerdings fand ich das Wasser doch noch recht frisch und zog mich wieder zurueck; und da es ziemlich frisch windig war, beliess ich es auch dabei barfuss durch den angewaermten Sand zu laufen.

Inzwischen war es auch langsam Abend geworden, die Baustelle stand still und der Parkplatz war fast gaenzlich verlassen. So suchten wir uns einen ruhigen Stellplatz fuer die Nacht; entschieden uns fuer das hinteren Ende direkt am Bauzaun – da wuerde sich naemlich keiner mehr neben uns zwaengen. Stuehle und Tischchen raus, den Hunden ein Wasser hinstellen und Ruhe kehrte ein.

Dies allerdings nur fuer einen kurzen Moment. Dann sprang Helmut schon wieder auf, jetzt wollte er naemlich noch unsere neueste Errungenschaft ausprobieren. Schon auf unserem letzten Roadtrip mit dem Van hatten wir ueberlegt, dass ein Vordach an eben jenem nicht schlecht waere. Helmut, als im Zeichen der Jungfrau Geborener, geht da nicht einfach los und kauft, sondern hatten ueber die Wintermonate ein paar Recherchen betrieben, was, wie und zu welchem Preis, moeglich ist. Der Schwabe in ihm strebt natuerlich ein guenstige Loesung an und der McGyver in ihm stimmt zu, dass man ja eh alles modifizieren muss ... So hatten wir also frueher am Tag ein ganz einfaches guenstiges Sonnendach erstanden, das wir nun aufbauen wollten und auch taten.

Bonny beaugt das Ganze misstrauisch ...

Also ich gebe zu, mir gefaellt es. Es ist faszinierend, wieviel es ausmacht. Man fuehlt sich immer noch ‚drinnen’, erweitert also sozusagen den besetzten Bereich und ausserdem ist das Gefuehl von „Schutz“ da, auch wenn – wie wir noch feststellen – dieses Ding keineswegs einen Schutz vor allen Elementen bietet.

Doch erst einmal geniessen wir den milden und ruhigen Abend. Einfach sitzen, aufs Meer schauen, reden, essen und das alles bei Kerzenschein. Als es endgueltig dunkel ist, beschliessen wir noch eine letzte Runde mit den Hunden zu gehen. Leider haben die – sozusagen im letzten Moment – eine Handvoll Kletten aufgesammelt, die wir dann erstmal wieder aus dem Fell kaemen mussten (wobei Helmut anmerkte, dass ich bei deren letzter Dusche wohl vergessen haette ihnen ‚Weichspueler’ ins Haar zu tun, denn das Fell sei ziemlich strohig – pff). Clyde war schon fertig und im Auto und bei Bonny fehlte noch die letzte Pfote, als wir es ploetzlich auf unser Vordach troepfeln hoerten. Es fing an zu regnen! Oh ... fast gleichzeitig entfuhr uns die Bemerkung, wie gut es doch sei, dass wir nun ein Dach haben unter dem wir trocken sitzen! Denkste. Dies aenderte sich naemlich in der naechste Minute, als auf einmal ziemlich starke Windboen aufkamen und an saemtlichen Schnueren zogen und zerrten und der am Van befestigte Teil am Lack zu kratzen anfing. Jetzt musste es ganz schnell gehen, die Stuehle und den Tisch in Auto raeumen und das Dach abbauen. Ich hielt es fest so gut es ging und Helmut loeste die Schnuere und Stangen. Einfach erstmal zusammen knuddeln und an der Fahrerseite reinwerfen. Natuerlich waren wir dann auch gleich nass geworden. Doch kaum dass wir alles im Dodge verstaut hatten, hoerte der Wind auf und kurze Zeit spaeter auch der Regen. Klasse!

Well, es war eh Zeit zu schlafen und so krochen wir in die Schlafsaecke und ratzten erstmal ne Runde. Die Nacht war ruhig und ich musste nur ein mal raus – was mit einem wunderschoenen Blick auf einen klaren Himmel belohnt wurde. Da es hier in der Naehe keine wirkliche Stadt oder aehnliches gibt, sieht man – wie es scheint - milliarden Sterne. Und wenn man auf’s Meer schaut, erkennt man in der Ferne Lichter von Schiffen und Bohrinseln.

Morgens gegen 7 war es dann vorbei mit der Ruhe, als naemlich die Baustelle zum Leben ‚erwachte’. Nun, es war gut so, denn so oeffnete ich rechtzeitig fuer einen wunderschoenen Sonnenaufgang die Augen und obwohl es ziemlich frisch war - ueber Nacht hatte sich die Luft merklich abgekuehlt – machte ich einen Strandspaziergang mit Hunden. Beim Anblick des Windes in den Duenen und den Farben des Himmels und des Meers in der Morgensonne, wurden Erinnerungen an Sylt wach.


Waehrend Helmut erstmal ausschlaeft (er ist gegen Aussengeraeusche ziemlich immun, wenn er mal im Land der Traeume ist), sitze ich in einem der bequemen Sitze des Vans und beobachte das Meer und die Baustelle. Also ich bin mir ziemlich sicher, die bei der Baustelle haben irgendein System, eine Ordnung. Ich jedoch erkenne sie nicht.
Mir scheint es eher, dass ein paar Jungs mit ein paar ziemlich grossen Spielzeugen (Bagger, Multkipper, Schaufellader) in einer riesigen Sandkiste spielen ... musste mich dann spaeter insofern korrigieren, eine Frau war auch dabei (sie fuhr einen der Multikipper oder wie die Dinger – Laster – heissen). Auch erkannten wir bei einem Spaziergang spaeter, dass die durchaus zu wissen schienen, was sie tun, denn aus einem anderen Blickwinkel betrachtet sah es nicht mehr ganz so ungeordnet aus ...


Den Rest des Vormittags verbrachten wir mit faulenzen, einfach nur sitzen und schauen (wegen des kuehlen Wetters war baden eher keine Option). Sehr erholsam. Doch wie das so ist, auch die schoenste Zeit geht vorbei und irgendwann hiess es dann zusammenpacken uns losfahren.

Auf dem Rueckweg machten wir noch einen Tankstop und goennten uns ein grosses Paket Eis, dass wir im Auto sitzend genuesslich ausloeffelten.

Durch Houston standen wir (natuerlich) mal wieder in einem Stau, aber zum Glueck nicht allzulange. So waren wir am fruehen Abend zuhause. Auto auspacken, duschen und zum Abendessen kochte Helmut eine seiner Spezialsuppen.
Alles in allem ein wunderschoener Ausflug, der obschon nur kurz, sich auf jeden Fall gelohnt hat. Sollte man meiner Meinung nach viel oefter tun!!

PS: alle Fotos vom Ausflug sind im neuen Kisimba on Tour 2010 Fotoalbum zu finden!